Latexallergie | Das können Sie tun, wenn Gummi krank macht

Latexallergie

[manuelleh1:Latexallergie – eine der häufigsten berufsbedingten Allergien]
Produkte aus Gummi sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Doch den dafür verwendeten Rohstoff Latex verträgt nicht jeder. Latexallergien betreffen etwa zwei Prozent der gesamten Weltbevölkerung. Besonders häufig sind Mitarbeiter im medizinischen Bereich betroffen.

Latexallergie – Wissenswertes über das Material

Bei Latex, auch Naturkautschuk genannt, handelt es sich um den Milchsaft des Kautschukbaumes. Seinen Ursprung hat der Baum in Brasilien, wird aber zumeist in den tropischen Regionen Südostasiens gepflanzt. Gewonnen wird die Flüssigkeit durch ein Anritzen der Kautschukbaumrinde. Rund 40 Prozent des weltweiten Latexbedarfs wird mit Naturkautschuk gedeckt, die restlichen 60 Prozent entfallen auf den chemisch hergestellten Synthesekautschuk.

Schon im 17. Jahrhundert war Latex bei mittelamerikanischen und indigenen Völkern in Verwendung. Ende des 18. Jahrhunderts fand der Naturkautschuk seinen Weg nach Europa, wo sich mit Charles Goodyears Entdeckung der Vulkanisation 1839 viele Verwendungsmöglichkeiten auftaten. Der Großteil des Kautschuks wird heute für die Produktion von Autoreifen verwendet, aber auch für Matratzen, Moosgummiprodukte, Dichtungsprofile, Kleidung oder Kondome.

Die Latexallergie im Detail

Bereits 1927 wurde die Latexallergie erstmals beschrieben, die erste Diagnose brachte 1979 ein Pricktest (Hauttest). Es gibt zwei Formen der Latexallergie:

  • Soforttyp (Typ 1): Allergie gegen Proteine im Naturlatex
  • Spättyp (Typ 4): Allergie gegen Zusatzstoffe in Latexprodukten

Allergien des Typs 4 sind mittlerweile rückläufig, da die allergieauslösenden Stoffe in der Verarbeitung gut ersetzt werden können. Die Soforttypallergie hingegen nimmt zu.
Rund zwei Prozent aller Deutschen sind von einer Latexallergie betroffen. Unter dem medizinischen Personal liegt die Zahl aber höher. Schätzungen zufolge leiden mehr als zehn Prozent aller Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen unter einer Latexallergie. Grund dafür ist der hohe Latexanteil in medizinischen Produkten.

Ein erhöhter Anteil an Latexallergikern findet sich auch unter Raumpflegefachkräften oder Arbeitern in der Kautschukindustrie. Zu den weiteren Risikogruppen zählen alte, pflegebedürftige Personen, Menschen, die sich häufig einer Operation unterziehen mussten oder Allergiker, die an bestimmten Nahrungsmittelallergien leiden. Kreuzallergien werden häufig bei Mango, Papaya, Banane, Kiwi, Avocado oder auch Tomate beobachtet.

Symptome der Latexallergie

Die Latexallergie zeigt sich in der Regel auf der Haut. Zumeist handelt es sich um Rötungen oder Quaddeln an der Kontaktstelle, es kann aber auch zu anderen allergischen Reaktionen kommen:

  • Hautentzündungen, Ekzeme, Nesselsucht
  • Quaddeln an weiteren Körperstellen
  • Juckreiz der Haut, der Nase oder der Augen
  • Schwellung der Augen oder der Lider
  • tränende Augen
  • allergischer Schnupfen, laufende Nase
  • Hals- oder Rachenschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Atemnot
  • anaphylaktischer Schock (bei schwerer Allergie)

Bei der Latexallergie Typ 1 treten allergische Reaktionen unmittelbar nach dem Kontakt mit latexhaltigen Produkten auf. Anders ist es bei der Allergie des Typs 4: Hier werden Symptome erst etwa zwölf Stunden nach dem Kontakt beobachtet. Es kommt häufig zu einer Rötung und Bläschenbildung, Mediziner sprechen deshalb auch von einem Kontaktekzem. Im schlimmsten Fall kann auch der Spättyp der Latexallergie einen anaphylaktischen Schock auslösen.

Diagnose Latexallergie

Bei Verdacht auf eine Latexallergie sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser wird anhand der Anamnese eine Blutuntersuchung und einen Allergietest anordnen. Der Pricktest gibt rasch Aufschluss über eine mögliche Allergie. Dabei ritzt der Allergologe die Haut des Patienten mehrmals leicht ein und trägt anschließend Latexextrakte auf die Haut auf. Zeigt sich innerhalb von 15 bis 20 Minuten eine Rötung auf der Haut, kann von einer Latexallergie ausgegangen werden. Bestehen noch Zweifel, kann der Arzt zusätzlich einen Provokationstest durchführen. Dabei muss der Patient unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen rund 20 Minuten einen Latexhandschuh tragen. Treten allergische Reaktionen auf, so steht die Diagnose fest.

Therapieformen

Wie bei vielen anderen Allergien ist die Vermeidung des Auslösers auch bei der Latexallergie die einzige Möglichkeit. Kommt es dennoch zu einer allergischen Reaktion, wird der Arzt mit antiallergischen Mitteln gegen die Symptome vorgehen. Vorbeugend kann ein Notfallset verschrieben werden, das insbesondere bei einer schweren Allergie Leben retten kann. Das Set, das einen Adrenalinautoinjektor sowie ein Antihistaminikum und flüssiges Kortison beinhaltet, sollte stets in erreichbarer Nähe sein.

Latexallergie im Beruf

Medizinisches Personal ist Latexprodukten ständig ausgesetzt. In Arztpraxen und Krankenhäusern gehören latexhaltige Handschuhe, Spritzen, Verbände, Kanülen, Katheter, Schläuche oder Blutdruckmanschetten zur fixen Ausstattung. Handschuhe sind besonders häufig der Auslöser von allergischen Reaktionen: Die Handschuhe werden gerne mit Maisstärkepulver gepudert, was den Tragekomfort erhöht. Das Pulver nimmt aber die allergieauslösenden Eiweiße aus dem Latex auf, sodass sie in die Luft gelangen und inhaliert werden können. Alternativen stehen in den meisten medizinischen Einrichtungen aber in Form von Handschuhen aus synthetischem Latex oder Vinyl zur Verfügung. Im schlimmsten Falle muss ein Berufswechsel in Betracht gezogen werden.

Latexallergie im täglichen Leben

Besondere Vorsicht ist im Alltag geboten, denn sehr viele Produkte des täglichen Gebrauchs enthalten Latex. Socken, Strumpfhosen, Handschuhe oder Masken sind ebenso zum Teil aus Naturkautschuk gefertigt wie Babyschnuller, Babyflaschen, Kinderspielzeug, Luftballons oder Radiergummis. Im Medizinschrank enthalten Heftpflaster, Ohrstöpsel, Kompressionsstrümpfe oder Wärmeflaschen den allergieauslösenden Rohstoff. Aus dem Bereich der Empfängnisverhütung ist Latex ebenfalls nicht wegzudenken: Kondome und Diaphragmen werden aus Naturkautschuk hergestellt.
Für Allergiker gibt es zum Glück gute Alternativen zu den meisten Produkten. Für Babys gibt es Sauger und Schnuller aus Silikon, für die Schule Radiergummis und Klebstoffe aus Silikon oder Vinyl. Haushaltshandschuhe, Wärmeflaschen, Luftballons, Schwimm- oder Skibrillen sowie Turnmatten und Luftmatratzen sind auch aus Polyurethan erhältlich. Latex in Kleidungsmitteln wird gut durch Elastan, Lycra oder Polyurethan ersetzt. Im Bereich der Verhütung können latexfreie Kondome und Diaphragmen zur Anwendung kommen.

Tipps für Betroffene

Allergiker sollten sich vor Augen halten, dass der medizinische Bereich voll von latexhaltigen Produkten ist. Deshalb sollte bei jedem Arztbesuch sowohl der Arzt als auch seine Helfer über die Allergie informiert werden. Ist ein Klinikaufenthalt geplant, so sollte im Vorfeld abgeklärt werden, ob das Krankenhaus auf Latexallergiker eingestellt ist. Bei Reisen in Gegenden, in denen die medizinische Versorgung nicht dem europäischen Standard entspricht, sollten sterile Handschuhe aus Kunstlatex immer mit im Gepäck sein.

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