Wespenstichallergie – lebensgefährliche Stiche

Ein Wespenstich ist für jeden Menschen schmerzhaft und unangenehm. Für Allergiker kann er aber auch gefährlich werden: Im schlimmsten Fall droht ein anaphylaktischer Schock, der zu einem Kreislaufversagen führen kann. Zum Glück gibt es Notfallmedikamente, die jeder Wespenstichallergiker bei sich tragen kann, um im Fall eines Stiches schnell reagieren zu können. In vielen Fällen ist es auch möglich, die Allergie mit einer Immunisierung wieder loszuwerden.

Bienen, Wespen, Hornissen – Verwandte mit unterschiedlichem Verhalten

Insektenstiche von Bienen, Wespen und Hornissen können sehr unangenehm sein. Dem Volksmund nach können schon wenige Hornissenstiche tödlich sein, aber diese Vorstellung ist längst widerlegt. Tatsächlich sind Hornissen sehr friedliebend und stechen kaum. Ihr Gift ist auch längst nicht so stark wie zum Beispiel das der Biene. Auch Bienen stechen jedoch nicht leichtfertig und kommen Menschen nur selten ins Gehege. Zu Bienenstichen kommt es vor allem dann, wenn man versehentlich barfuß auf eine Biene tritt.

Bei Wespen sieht die Sache jedoch anders aus: Sie kommen von sich aus in die Nähe der Menschen, weil sie sich gerne an Kuchen, Saft und Fleisch bedienen. Schlägt man dann nach einer Wespe oder versucht, sie zu verjagen, empfindet sie das schnell als Angriff, auf den sie mit Stechen reagiert. Besonders unangenehm: Das Stechen setzt Alarmstoffe frei, die weitere Wespen anlocken. Gefährlich ist aber auch der Stich einer oder mehrerer Wespen nicht, es sei denn, es liegt eine Wespengiftallergie vor. 

Schmerzhaft und gefährlich: Wespenstiche bei Allergikern

Schmerzen, Juckreiz und Schwellungen sind bei einem Wespen- oder Bienenstich normal. Normalerweise bildet sich die Schwellung jedoch schon nach einem oder zwei Tagen zurück. Bei Wespengiftallergikern ist das anders: Sie können nach einem Stich heftige Reaktionen entwickeln. Bei ihnen schwillt zum Beispiel die Stichstelle deutlich stärker an. Aber auch weitere, teils sehr gefährliche Symptome können hinzukommen, zum Beispiel:

  • Juckreiz und Rötungen am ganzen Körper
  • Schwellungen im Bereich von Gesicht und Hals
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • tränende oder juckende Augen
  • Fließschnupfen
  • Atemnot
  • Herzrasen
  • Schluckbeschwerden
  • Schwächegefühle

In der Folge kann ein lebensgefährlicher allergischer Schock entstehen. Gefährlich sind außerdem die Schwellungen im Halsbereich, weil sie die Atmung behindern können. Die Symptome nehmen meist von Stich zu Stich zu: Hat es einmal eine starke Lokalreaktion gegeben, ist die Chance erhöht, dass beim nächsten Stich die Symptome schon den ganzen Körper betreffen. Wichtig sind für Allergiker deshalb zwei Maßnahmen: Zum einen sollten sie Wespenstiche möglichst verhindern. Und zum anderen müssen sie schnell handeln, wenn sie doch gestochen wurden.

Für Allergiker: Maßnahmen bei einem Wespenstich

Hat ein Patient einmal stark auf einen Wespenstich reagiert, kann mit einem Bluttest festgestellt werden, ob und in welchem Maß eine Wespenstichallergie vorliegt. Ist die Allergie bestätigt, verschreibt der Arzt in den meisten Fällen ein Notfallset mit verschiedenen Medikamenten, die der Allergiker zumindest im Sommer immer bei sich tragen sollte. Außerdem muss er oder sie natürlich wissen, wie mit den Allergie-Medikamenten umzugehen ist. Idealerweise sind auch Freunde oder Familienmitglieder darüber informiert. Das Notfallset enthält meist drei verschiedene Medikamente:

  • ein Antihistaminikum: Diese Medikamente werden auch bei anderen Allergien eingesetzt, zum Beispiel bei Heuschnupfen. Sie mindern die allergische Reaktion ab und wirken abschwellend. Im Notfallset ist das Antihistaminikum meist in einer Form enthalten, die schnell wirkt und ohne Wasser eingenommen werden kann, also zum Beispiel in flüssiger Form oder als Schmelztabletten.
  • ein Kortisonpräparat: Auch Kortison wirkt abschwellend und kann die allergische Reaktion schnell stoppen. Es wird ebenfalls in flüssiger Form eingesetzt.
  • eine Adrenalin-Fertigspritze: Wenn die Symptome über die Einstichstelle hinausgehen und den ganzen Körper betreffen, wird der Adrenalin-Injektor wichtig. Er wirkt minutenschnell und stabilisiert den Kreislauf. Die Fertigspritze ist so gestaltet, dass sie auch von Laien direkt eingesetzt werden kann.

Wurden die Notfallmedikamente eingesetzt, sollte ein Allergiker immer schnell einen Arzt aufsuchen, der, falls nötig, weitere Maßnahmen einleiten kann.

Noch besser: Wespenstiche verhindern!

Wer auf Wespenstiche allergisch ist, sollte idealerweise schon im Vorfeld verhindern, dass er oder sie gestochen wird. Dazu sind verschiedene Verhaltensweisen wichtig:

  • Verzichten Sie im Spätsommer darauf, im Freien zu essen.
  • Decken Sie gesüßte Getränke immer ab, auch im Innenraum.
  • Halten Sie sich vor allem im Spätsommer nicht in der Nähe von Mülleimern auf, dort tummeln sich besonders viele Wespen.
  • Auch Fallobst zieht Wespen an. Halten Sie sich deshalb von Obstbäumen mit reifen Früchten fern.
  • Tragen Sie keine zu weite Kleidung, unter der sich Wespen verfangen können.
  • Verzichten Sie darauf, barfuß zu gehen.
  • Verhalten Sie sich ruhig, wenn sich eine Wespe nähert. Hektische Bewegungen können die Wespe zum Angriff verleiten.
  • Meiden Sie stark riechende Parfüms oder Deos, sie können Wespen anziehen.

 

Wespe

Immuntherapie: die Wespenstichallergie loswerden?

Eine gute Behandlungsmethode gegen eine Wespenstichallergie ist die Immuntherapie, früher auch als Hyposensibilisierung bekannt. Bei dieser Methode wird dem Patienten das Wespengift in winzigen Dosen in den Arm gespritzt. Nach und nach wird die Dosis erhöht, damit der Körper sich daran gewöhnt und nicht mehr so stark überreagiert. Die Immuntherapie hat eine hohe Erfolgsquote: 95 bis 98 Prozent der Patienten reagieren danach nicht mehr allergisch auf einen Wespenstich. Allerdings ist die Therapie mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden: Sie beginnt zur Sicherheit stationär im Krankenhaus, wo der Patient unter Beobachtung steht und eine allergische Reaktion sofort abgefangen werden kann. Idealerweise wird der Start der Immuntherapie in einem spezialisierten Allergiezentrum durchgeführt. Ist der Start geglückt, bekommt der Patient alle vier bis sechs Wochen eine Injektion mit einer langsam ansteigenden Dosis.

Die Therapie dauert lange: mindestens drei bis fünf Jahre, manchmal auch das ganze Leben lang. Die Vorteile liegen trotzdem auf der Hand: Die Betroffenen leben sicherer und können sich auch im Sommer freier bewegen, ohne Angst vor einem gefährlichen Stich zu haben. Und: Die Immuntherapie wird in Deutschland sogar von den Krankenkassen übernommen. Es lohnt sich also in jedem Fall, sich über diese Möglichkeit genauer zu informieren. Dazu erhebt der Allergologe zunächst Informationen über die Krankheitsgeschichte und stellt dann mit einem Bluttest fest, gegen welche Allergene der Patient in welchem Maß reagiert. Dann kann im Gespräch ermittelt werden, ob eine Immunisierung möglich und sinnvoll ist.