Die Spermaallergie kommt bei Männern und Frauen vor

Bei einer Spermaallergie kommt es durch den Kontakt mit bestimmten Proteinen im Sperma zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems. Meistens sind Frauen davon betroffen, aber auch Männer können an einer Spermaallergie leiden. Diese reagieren allerdings allergisch auf das eigene Sperma, betroffene Frauen dagegen auf männliches Sperma allgemein. Da es sich bei Männern um eine Autoimmunreaktion mit einem sehr breiten Symptomspektrum handelt, wird diese als Postorgasmic Illness Syndrom (POIS) bezeichnet. Das Syndrom wurde erstmals 2002 vom niederländischen Mediziner Waldinger beschrieben. Eine Spermaallergie ist sehr selten. Weltweit sind bislang lediglich 100 Fälle bekannt. Experten gehen aber von ungefähr 30.000 Fällen weltweit aus und vermuten, dass sich viele Betroffene aus Scham nicht beim Arzt melden oder über ihre Beschwerden berichten.

Spermaallergie bei Frauen

Die Spermaallergie, die sich bei Frauen zeigt, gehört zu den sogenannten Typ-I-Allergien bzw. Soforttypreaktionen, da sich die Symptome zumeist innerhalb weniger Minuten nach Kontakt mit dem allergieauslösenden Allergen zeigen. Typ-I-Allergien werden durch die sogenannten Immunglobuline der Klasse E bzw. IgE-Antikörper vermittelt (Antikörper-vermittelte Allergie). Bei einem Erstkontakt mit dem Allergen wird dieses aus bislang nicht vollständig geklärten Gründen als Krankheitserreger identifiziert. Es kommt zu einer vermehrten Bildung von IgE-Antikörpern durch das Immunsystem (sogenannte Sensibilisierungsphase), die symptomfrei verläuft. Erst bei erneutem Kontakt mit dem Allergen werden Entzündungsbotenstoffe wie Histamin freigesetzt, die zu den allergietypischen Symptomen führen. Im Rahmen der Spermaallergie reagiert das Immunsystem nicht auf die Spermien, sondern auf einen Eiweißbaustein, der beim Samenerguss der Spermaflüssigkeit (Seminalplasma) beigemengt und in der Prostata gebildet wird – das sogenannte prostataspezifische Antigen (PSA).

Ursache bei Männern noch nicht geklärt

Bei Männern hingegen wird eine Allergie bislang lediglich im Zusammenhang mit dem eigenen Sperma und im Rahmen des POIS beschrieben. Es wird vermutet, dass dem POIS eine Fehlreaktion des Immunsystems gegenüber der körpereigenen Samenflüssigkeit zugrunde liegt. Die genauen Mechanismen sind bislang allerdings nicht geklärt. Die Symptome ähneln den Reaktionen bei Typ-I- und Typ-IV-Allergien. Zudem wird davon ausgegangen, dass es sich bei POIS eigentlich um ein breiteres Erkrankungsspektrum mit verschiedenen Formen handeln könnte und eine Allergie gegen das eigene Sperma lediglich eine mögliche Ursache darstellt.

Wie äußert sich eine Spermaallergie?

Bei einer Spermaallergie zeigen sich wenige Minuten bis höchstens ein bis zwei Stunden nach Kontakt mit der Samenflüssigkeit die Symptome. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Bei Frauen sind in aller Regel die für Typ-I-Allergien charakteristischen Symptome zu beobachten:

Bei ausgeprägten Allergieformen kann es zudem zu Übelkeit, Durchfall und Erbrechen sowie einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen, wenn die Bronchien stark verengt werden (Atemnot) und das Herz-Kreislauf-System versagt. Juckreiz und Brennen im Intimbereich müssen allerdings nicht zwangsläufig auf eine Spermaallergie hindeuten. In vielen Fällen können die allergischen Reaktionen auf Spuren von Nüssen oder Medikamenten (u.a. Antibiotika), die der Sexualpartner im Vorfeld gegessen bzw. eingenommen hat, zurückgeführt werden.

Bei Männern zeigen sich oftmals sehr unspezifische Symptome. So können diese unter einem individuell sehr variablen Symptomkomplex leiden, der häufig an grippeähnliche Beschwerden erinnert. Häufig beobachtete Symptome sind beispielsweise Schnupfen, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen, Nackensteife, Muskelverspannungen, Fiebrigkeit sowie Erschöpfung. Die Beschwerden manifestieren sich zumeist kurz nach der Ejakulation (Samenerguss) und können bis zu sieben Tage anhalten.

Die Behandlung einer Spermaallergie

Die Therapie einer Spermaallergie fußt auf den drei Säulen Expositionsprophylaxe, medikamentöse Therapie und Hyposensibilisierung:

  • Expositionsprophylaxe durch Kondome
    Bei betroffenen Frauen ist Geschlechtsverkehr mit Kondom die einfachste Lösung. Kondome verhindern als sogenannte Barriere-Verhütungsmittel den Kontakt mit dem allergieauslösenden Allergen in der Samenflüssigkeit. Da Männer in aller Regel gegen ihr eigenes Sperma allergisch reagieren, kommt eine Expositionsprophylaxe durch Kondome für sie nicht in Betracht.
  • Medikamentöse Therapie
    Bei lediglich leichten Symptomen und Kinderwunsch können kurz vor dem Geschlechtsverkehr Allergie-Medikamente wie Antihistaminika oder Glukokortikoide eingenommen werden, die die Histaminausschüttung und somit die Symptome unterdrücken. Zur sofortigen Behandlung eines anaphylaktischen Schocks sollten Betroffene mit ausgeprägten Symptomen ein Notfall-Set mit einem schnell wirksamen Antihistaminikum, Kortison sowie einem Adrenalin-Autoinjektor für systemische Reaktionen mit Kreislaufkollaps bei sich führen.
  • Hyposensibilisierung
    Bei stärkeren Symptomen kann bei Kinderwunsch auch eine Hyposensibilisierung (Spezifische Immuntherapie, SIT) in Frage kommen. Bei dieser wird dem Betroffenen das Allergen – also das prostataspezifische Antigen bzw. das eigene Sperma – in regelmäßigen Abständen und in zunehmender Dosierung unter die Haut gespritzt (subkutane Immuntherapie) oder in Tablettenform oder als Lösung unter die Zunge getropft (sublinguale Immuntherapie), damit das Immunsystem eine Toleranz gegenüber dem Allergen entwickelt.
  • Künstliche Befruchtung
    Frauen mit Kinderwunsch steht zudem die Möglichkeit einer künstlichen Befruchtung zur Verfügung, wenn eine medikamentöse Therapie oder Hyposensibilisierung nicht zur gewünschten Schwangerschaft geführt haben. Hierbei wird Sperma verwendet, dem das Allergen bzw. das prostataspezifische Antigen im Labor entzogen wurde. Die Kosten für eine solche Behandlung übernimmt die Krankenkasse nicht.
  • Die Therapie ist bei Männern schwierig
    Für Männer existiert aufgrund der noch nicht genau geklärten Zusammenhänge kein eindeutiges Therapiekonzept. So konnte bei einigen medikamentös mithilfe von Antihistaminika oder durch eine Hyposensibilisierung eine Linderung der Symptome herbeigeführt werden, während bei anderen kein Therapieansatz zum gewünschten Erfolg geführt hat.

 

Bild von Mohd Hafiz Noor Shams / __earth [CC BY 2.5], via Wikimedia Commons