Soja-Allergie – besonders das Eiweiß ist bei Allergikern gefürchtet!

Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch oder vegan und konsumieren dabei vermehrt Produkte aus Soja. Gefährdeter für eine Soja-Allergie sind Veganer aber nicht, denn auch in sehr vielen nicht-veganen Nahrungsmitteln kommen Sojaprodukte vor. Die häufigste Form ist aber ohnehin nicht die klassische Nahrungsmittelallergie, sondern die pollenassoziierte Kreuzallergie.

Soja – die Pflanze

Die Sojabohne ist eine Hülsenfrucht, die der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler angehört. Ihren Ursprung dürfte die Pflanze in Nordostchina haben, der Anbau von Soja ist dort bis etwa 1.700 vor Christus nachgewiesen. Heute wird die Pflanze auf der ganzen Welt angebaut, besonders große Anbaugebiete befinden sich in Nord- und Südamerika.

Die Sojabohne enthält rund 20 Prozent Öl und etwa 37 Prozent Eiweiß. Das Besondere des Eiweißes ist die Ähnlichkeit mit tierischen Proteinen, weswegen Soja gerne für die Herstellung von Fleischersatzprodukten verwendet wird. Der größte Teil der Sojabohnenernte wird allerdings zu Öl verarbeitet, das in der Lebensmittelindustrie und bei der Herstellung von Biodiesel Anwendung findet. Von der Pflanze übrig bleibt der sogenannte Sojakuchen, der in der Regel zu Tierfutter verarbeitet wird. 

Die Soja-Allergie

Soja wird besonders von vegan lebenden Menschen als Proteinquelle geschätzt, die Pflanze ist aber auch in vielen nicht-veganen Lebensmitteln enthalten. Soja in Form von Sojalecithin oder Sojaprotein dient als Eiweißlieferant oder als Ersatz für Milch und Eier. Die positiven Eigenschaften bei der Verarbeitung, aber auch andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten machen Soja zu einem wichtigen Produkt der Lebensmittelindustrie.

Die allergische Reaktion wird durch unzerstörtes Sojaeiweiß hervorgerufen. In der Sojabohne sind verschiedene Proteine enthalten, die Allergien auslösen können. Sie kommen in größeren Mengen in reifen, ungekochten Sojabohnen, außerdem in Sojamilch und -joghurt, in Tofu oder auch in Sojaeiweißpulver vor. Letzteres wird gerne als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. Auch fermentierte Produkte wie Miso enthalten Allergene.

Drei Formen der Soja-Allergie

In Europa unterscheiden Mediziner zwischen drei Varianten der Soja-Allergie. Die klassische Nahrungsmittelallergie wird als primäre Soja-Allergie bezeichnet und tritt zumeist im Säuglingsalter auf. Betroffen sind Babys und Kleinkinder, die, etwa wegen einer Kuhmilchallergie, sojabasierte Flaschennahrung zu sich nehmen. Die Soja-Allergie zählt bei Kindern sogar zu den häufigsten pflanzlichen Nahrungsmittelallergien. Grund für das vermehrte Auftreten im Kindesalter ist die eingeschränkte Schutzfunktion der Darmschleimhaut. Eltern können häufig aber nach wenigen Jahren wieder aufatmen. In vielen Fällen verschwindet die Allergie nämlich spontan bis zum 10. Lebensjahr wieder.

Häufiger kommt die sekundäre pollenassoziierte Sojaallergie vor. Sie tritt in der Regel im Jugend- oder Erwachsenenalter auf und entwickelt sich aus einer bestehenden Allergiebereitschaft Pollen gegenüber. Die sekundären Kreuzreaktionen werden besonders oft bei Birkenpollen beobachtet, was auf die ähnliche Struktur der Proteine zurückzuführen ist. Kreuzallergien können außerdem zu Hasel oder Erle sowie zu anderen Hülsenfrüchten wie Bohnen, Erbsen oder Erdnüssen auftreten.

Als dritte Form ist die sogenannte Inhalationsallergie bekannt. Sie wird durch das Einatmen von Sojahüllproteinen verursacht. Betroffen sind vor allem Arbeiter, die im Rahmen des Transports oder der Verarbeitung wiederholt Sojastaub einatmen.

Symptome der Soja-Allergie

Die Krankheitszeichen der Sojaallergie sind ähnlich anderer Nahrungsmittelallergien. Folgende Symptome können vorkommen:

  • Schwellung im Bereich des Mundes und der Atemwege
  • Taubheit der Zunge
  • Jucken in der Nase oder in den Augen
  • Allergischer Schnupfen
  • Halsschmerzen
  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall
  • Reizungen der Haut, Rötungen, Juckreiz, Nesselsucht

Die Symptome unterscheiden sich in ihrer Ausprägung je nach Schwere der Allergie. Im Extremfall kann ein anaphylaktischer Schock auftreten, der den gesamten Kreislauf destabilisiert. Ist der Notarzt nicht sofort zur Stelle, droht ein Kreislaufkollaps mit anschließendem Multiorganversagen. Die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks steigt, wenn größere Mengen von gering verarbeiteten Sojaeiweißen konsumiert werden. Insbesondere Sojagetränke oder in Shakes enthaltene Sojaproteinpulver bergen ein erhöhtes Risiko.

Diagnose Soja-Allergie

Treten nach dem Konsum von Sojaprodukten vermehrt Symptome einer Nahrungsmittelallergie auf, sollte ein Arzt oder Allergologe kontaktiert werden. Zur Diagnose sind verschiedene Verfahren zulässig, der übliche Vorgang ist der Pricktest. Im Zuge des Tests werden Sojaextrakte auf die Haut aufgetragen und mittels Lanzette unter die Haut gebracht. Werden innerhalb eines Zeitraumes von etwa 20 Minuten allergische Reaktionen beobachtet, kann von einer primären Soja-Allergie ausgegangen werden. Sind die Symptome nicht eindeutig, so können eine Blutuntersuchung oder der orale Provokationstest Sicherheit bringen. Letzterer darf niemals in Eigenregie, sondern nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden. Dabei werden größere Mengen des Allergens verabreicht. Diese können starke allergische Reaktionen auslösen, im schlimmsten Fall droht sogar ein anaphylaktischer Schock.

Soja-Allergie therapieren

Leider ist eine Soja-Allergie nicht heilbar. Deshalb müssen Betroffene bei der Ernährung besonders aufpassen und Sojaprodukte gänzlich meiden. Allergiker müssen zudem bei Kosmetika mit Sojalecithin oder Sojaöl sowie bei Arzneimitteln Vorsicht walten lassen. Einige Medikamente wie Antibiotika, Psychopharmaka oder Schmerzmittel sowie Narkosemittel enthalten Sojabestandteile. Betroffene müssen deshalb alle behandelnden Ärzte über die Allergie informieren.

Für Personen mit einer schweren Allergie können schon Kleinstmengen von Sojaeiweiß einen anaphylaktischen Schock auslösen. Ein Notfallset, bestehend aus einem Adrenalinautoinjektor, einem Kortisonpräparat und einem Antihistaminikum, sollte immer in erreichbarer Nähe sein.

 

Sojaprodukte

Soja-Allergie und Ernährung

Personen, die an einer Sojaallergie leiden, müssen auf alle Produkte, die Soja enthalten, verzichten. Sojamehl, Sojamilch und -joghurt sind ebenso zu meiden wie Edamame, Yuba, Tofu oder Natto. Zudem sollten Allergiker Sojasoße, Miso und sämtliche Fleischersatzprodukte von ihrem Speiseplan streichen. Bei sonstigen Lebensmitteln müssen immer die Inhaltsstoffe geprüft werden, denn Sojalecithin wird gerne als Emulgator verwendet. In Margarine, Schokolade, Backwaren, Keksen, Frühstücksflocken oder Fertiggerichten ist das Sojaprodukt besonders häufig enthalten. Sojalecithin ist übrigens auch unter anderen Bezeichnungen bekannt: E 322, E 426, TVP (Textured Vegetable Protein=Fleischersatz) oder Sojabohnen-Polyose.

Alternativ zur Sojamilch können andere pflanzliche Milchsorten, wie etwa Reis-, Mandel-, Hafer- oder Kokosmilch, konsumiert werden. Immer wieder ist im Zusammenhang mit einer Soja-Allergie von der Speiselupine zu hören. Die fast schon in Vergessenheit geratene Pflanze bietet eine gute Alternative zu Soja. Biosupermärkte bieten Mehl, Milch und tofuähnliche Nahrungsmittel aus Speiselupine an. Auf Grund der engen Verwandtschaft zwischen Lupine und Sojabohne sollten Allergiker trotzdem vorsichtig sein.