Pollenflug: alle Jahre wieder Heuschnupfen

Nahezu das ganze Jahr über ist unser Körper verschiedenen Pflanzenpollen ausgesetzt. Zu bestimmten Jahreszeiten und bei geeigneter Wetterlage sind wahre Wolken von Blütenstaub zu beobachten, die sich als grünlicher oder gelblicher Belag auf Autoscheiben oder Wasserflächen absetzen. Viele Menschen reagieren auf die eigentlich harmlosen Naturstoffe sehr empfindlich und entwickeln eine Allergie gegen eine oder mehrere Sorten von Pflanzenpollen. Solch eine immunologische Überreaktion kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und die Lebensqualität teilweise erheblich beeinträchtigen.

So kommt es zum Pollenflug

Pollen sind ein Bestandteil der pflanzlichen Blüte und werden in ihrer Gesamtheit auch als Blütenstaub bezeichnet. Dieser besteht aus zahlreichen Pollenkörnern, die sich zum Zweck der Vermehrung durch Wind, Wasser oder Tiere von einer Pflanze zu einem anderen Exemplar derselben Art transportieren lassen. Im Inneren eines Pollenkorns befindet sich eine einzelne männliche Keimzelle, welche von zwei Wandschichten umhüllt ist. Die Außenwand, Exine genannt, bildet spezifische Oberflächenstrukturen aus und ist extrem widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen. Die Polle reift in den Staubbeuteln einer Blüte heran und wird durch Öffnen der Staubbeutel nach außen entlassen. Der Zeitpunkt der Pollenreife ist je nach Pflanzenart unterschiedlich. Windverbreitete Pollen sind oft durch spezielle Einrichtungen flugfähig; sie können im Extremfall in bis zu 5000 Meter Höhe und 400 Kilometer weit vertragen werden.

Pollen als Allergieauslöser

Probleme für Allergiker ergeben sich in der Regel durch Pollen der windbestäubten (anemophilen) Pflanzen, da diese saisonal besonders große Mengen an Blütenstaub bilden. Die Hasel beispielsweise produziert etwa 2,5 Millionen Pollenkörner pro Eizelle! Pollenkörner von Windblütigen sind zumeist nur etwa 0,03 mm groß; eine Ausnahme bilden Kiefernpollen, die mit ihren ausgeprägten Luftsäcken eine Größe von 0,142 mm erreicht. Windbestäubte Arten besitzen eher unscheinbare Blüten ohne bunte Kronblätter oder Duft, da die Notwendigkeit zur Anlockung von Insekten entfällt. Oftmals hängen die Staubbeutel in Erwartung der nächsten Windböe aus den Blüten heraus, wie beispielsweise bei den landläufig als „“ bezeichneten männlichen Blütenständen von Hasel oder Birke zu beobachten ist. Im Durchschnitt sind etwa 21% der mitteleuropäischen Flora windbestäubt. Hierzu gehören vor allem Gräser, viele Laub- und alle Nadelbäume sowie einige Wildkräuter und Zierpflanzen.

Allergische Reaktionen bei Pollenflug

Pollenkörner quellen bei Feuchtigkeit auf und beginnen Proteine freizusetzen, welche das Auswachsen des Pollenschlauches einleiten. In der Natur läuft dieser Vorgang auf der Narbe einer Blüte ab, die infolgedessen befruchtet wird und Samen bildet. Allerdings bieten auch die menschlichen Schleimhäute ein ausreichend feuchtes Milieu, um die Freisetzung der Substanzen auszulösen. Beim Aufenthalt im Freien gelangen unweigerlich Pollen in Nase, Augen und Mund. Bei empfindlichen oder genetisch vorbelasteten Personen kann nun das Immunsystem irrtümlicherweise auf die von dem Pollenkorn gebildeten Proteine reagieren. Obwohl diese für den Körper eigentlich keine Gefahr darstellen, werden Antikörper gegen die Substanzen bereitgestellt, die nun als Allergene fungieren. Bei wiederholtem Kontakt kommt es zu mehr oder weniger ausgeprägten allergischen Reaktionen. Fast die Hälfte aller Betroffenen entwickelt zudem im weiteren Verlauf der Erkrankung eine Pollenassoziierte Nahrungsmittel-Allergie.
Folgende Symptome werden unter dem Begriff Heuschnupfen zusammengefasst:

  • Nase: niesen, Fließschnupfen, Schwellung
  • Augen: jucken, tränen, Schwellung
  • Mund: Husten, Atemnot
  • Allgemeinbefinden: Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber

Pollenflugzeiten

Die Saison für Heuschnupfenpatienten beginnt im Spätwinter mit den frühblühenden Bäumen, reicht über die Gräserblüte im Frühsommer und endet mit der hochallergenen Ambrosia im Oktober. Je nach Region und Wetterlage können von Jahr zu Jahr leichte Verschiebungen der Hauptblütezeiten vorkommen. Daher kann es für Allergiker hilfreich sein, die Pollenmeldungen tagesaktuell zu verfolgen. Welche Pollen zu welcher Jahreszeit unterwegs sind, können Sie dem Pollenflugkalender entnehmen.
Die häufigsten allergieauslösenden Pflanzenarten sind:

  • Baumpollen: Birke, Erle, Esche, Hasel, Pappel
  • Gräserpollen: Knäuel-, Liesch-, Rispengras, Roggen
  • Kräuterpollen: Ambrosia, Beifuß, Gänsefuß, Wegerich

Generell gilt, dass die Pollendichte auf dem Land frühmorgens und in der Stadt frühabends am höchsten ist. An warmen, trockenen Tagen ist viel Blütenstaub in der Luft unterwegs, und eine hohe Luftfeuchtigkeit kann allergische Beschwerden verschlimmern, da die Freisetzung der kritischen Substanzen noch schneller erfolgt. Auch erhöhte Ozonwerte können Allergiesymptome vertiefen und das Allgemeinbefinden zusätzlich beeinträchtigen. Niederschläge dagegen bringen Betroffenen oftmals kurzfristig Besserung.

Verhalten während der Pollenflugsaison

Die Vermeidung des Kontakts mit den Allergenen ist im Fall einer Pollenallergie nur schwer möglich. Dennoch gibt es einige Tipps, um Allergikern den Alltag zu erleichtern. Eine einfache und effektive Maßnahme ist es, die Haare abends vor dem Zubettgehen zu waschen, damit die tagsüber in den Haaren abgelagerten Pollen nachts keine Beschwerden verursachen können. Fenster sollten tagsüber eher geschlossen gehalten oder mit Pollenschutzvliesen ausgestattet werden; auch für Autos gibt es spezielle Filter. Bei Aktivitäten im Freien können Antihistaminika helfen, die Symptome auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Wer kann, der entflieht der Hauptblüte seiner Allergieauslöser durch einen Urlaub.

An Küsten oder auf Inseln ist die Pollenbelastung ebenso wie im Gebirge oft deutlich niedriger als im Inland. Allergiker können, wenn sie die regionalen Verschiebungen der Blütezeiten berücksichtigen, ihren Urlaub entsprechend planen. So beginnt in Südeuropa die Blüte aufgrund der milderen Witterung in der Regel früher als in Deutschland, in Skandinavien hingegen später.