Kreuzallergien: ähnliche Moleküle, zusätzliche Symptome

Menschen, die unter einer Allergie leiden, können zusätzlich durch eine oder mehrere Kreuzallergien belastet sein. Denn allergische Reaktionen können nicht nur vom ursprünglichen bzw. primären Allergen ausgelöst werden, auch strukturähnliche Moleküle anderer Allergenquellen können allergische Reaktionen hervorrufen – wenn auch in abgeschwächter Form. Die häufigsten Kreuzallergien sind Reaktionen auf Nahrungsmittel, die mit einer ersten Allergie, die über die Atemwege geht, in Verbindung stehen. Das können zum Beispiel Pollenallergien sein. In diesen Fällen reagiert das Immunsystem nicht nur bei Kontakt mit den Pollen mit den typischen Heuschnupfen-Symptomen, sondern auch noch beim Verzehr von strukturähnlichen Substanzen in Früchten, Nüssen oder Gewürzen. So zeigen beispielsweise 60 bis 70 Prozent der Birkenpollenallergiker häufig auch bei Äpfeln, Karotten und Haselnüssen allergische Reaktionen (sogenanntes Birken-Früchte-Nüsse-Gemüse-Syndrom).

Die Ursachen von Kreuzallergien: Strukturähnlichkeiten zwischen den enthaltenden Molekülen

Bei Kontakt mit bestimmten Allergenen wie beispielsweise Pollen werden bei „genetisch vorbelasteten“ Menschen vermehrt IgE-Immunglobuline bzw. IgE-Antikörper gebildet. Diese lösen bei erneutem Kontakt mit dem gleichen Antigen eine allergische Reaktion aus. Bei einer Kreuzallergie erkennen die gebildeten IgE-Antikörper nicht nur diese ersten Allergene, sondern auch ähnliche Moleküle aus anderen Allergenquellen und lösen auch bei Kontakt mit diesen eine allergische Reaktion aus. Klingt kompliziert, ist es aber nicht: Erkennt der Körper strukturelle Ähnlichkeiten bei den Molekülen, reagiert er verschnupft. Manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Beispiel: Mehr als 95 Prozent der Birkenpollenallergiker reagieren auf das in Birkenpollen enthaltende Protein „Bet v 1“, das zur Gruppe der sogenannten PR-10-Proteine gehört. Diese kommen aber nicht nur in Pollen, sondern auch in zahlreichen pflanzlichen Nahrungsmitteln vor. Nachdem das Immunsystem gegen dieses Protein sensibilisiert wurde, kann es bei Kontakt mit Nahrungsmitteln, die Proteine aus dieser Gruppe enthalten, zu einer kreuzallergischen Reaktion kommen. Kreuzallergien, bei welchen das Immunsystem neben Pollen auch auf Nahrungsmittel wie bestimmte Obst- und Gemüsesorten, Gewürze und/oder Nussarten reagiert, werden auch als pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien bezeichnet. Sie sind die häufigsten Kreuzallergien, da die Sensibilisierung der IgE-Antikörper zumeist auf Proteine zurückzuführen ist, die in vielen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind. Kreuzallergien beziehen sich allerdings nicht nur auf Allergene pflanzlichen Ursprungs. So können Katzenhaarallergiker auch auf Schweinefleisch reagieren und für Hausstaubmilbenallergiker oft auch andere Milbenarten sowie Muscheln, Krustentiere oder Schnecken problematisch werden. Eine Penicillin-Allergie kann mit anderen Antibiotika, eine Latexallergie mit bestimmten Nahrungsmitteln oder Pflanzen (v.a. Ficus benjamini) assoziiert sein. Allergiker, deren Immunsystem auf Gelatine reagiert, vertragen teilweise auch Plasmaexpander und Volumenersatzmittel nicht gut, was bei Infusionen zu allergischen Reaktionen führen kann. Die bedeutendsten Kreuzallergien sind:

  • Baumpollen: Karotte, Apfel, Kartoffel, Haselnuss, Kirsche, Nektarine, Kiwi, Pfirsich, Aprikose, Feige, Pflaume, Sellerie, Soja
  • Beifußpollen: Petersilie, Koriander, Karotte, Mango, Sellerie, Fenchel, Sonnenblumenkerne
  • Naturlatex: Ananas, Avocado, Banane, Kiwi, Kartoffel, Tomate, Esskastanie, Pfirsich, Mango, Papaya, Acerola-Kirsche, Sellerie
  • Hausstaubmilben: Schalen- und Weichtiere wie Muscheln, Hummer oder Schnecken
  • Vogelfedern: Ei, Geflügel, Innereien
  • Gräser- und Getreidepollen: Getreidemehle, Kleie, Tomate, Hülsenfrüchte, Erdnuss
  • Ambrosia: Melone, Zucchini, Gurke, Banane

Die typischen Symptome einer Kreuzallergie

Eine Kreuzallergie äußert sich zumeist innerhalb weniger bis höchstens 60 Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergen anhand von Unverträglichkeitserscheinungen (sogenannte Soforttypreaktionen). In der Regel beschränken sich die Symptome einer kreuzallergischen Reaktion auf den Mund- und Rachenraum oder äußern sich anhand von Juckreiz im Bereich der Lippen sowie einem pelzigen Gefühl auf Zunge oder Gaumen. Manchmal kommt es zu stärker ausgeprägten Symptomen wie Schwellungen von Lippen und Zunge, Heiserkeit, Atemnot sowie Erbrechen. Sehr selten können auch systemische Reaktionen wie Rötungen oder Quaddeln auf der Haut (Nesselausschlag bzw. Urtikaria) oder eine schwere allergische Schockreaktion (Anaphylaxie) beobachtet werden. Die jeweiligen Symptome können dabei ganzjährig oder lediglich während der (höchsten) Pollenbelastung auftreten. Die Ausprägung der allergischen Reaktion kann zudem von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Insbesondere in natürlichen Produkten wie Nahrungsmitteln kann der Allergenanteil aufgrund von Sortenabweichungen, regionalen Unterschieden sowie Reifegrad und Zubereitungsart stark schwanken. Zudem variiert die Ausprägung von Individuum zu Individuum und kann auch von externen Faktoren wie der psychischen und physischen Verfassung abhängen.

Die Behandlung einer Kreuzallergie

Die Therapie einer Kreuzallergie weicht prinzipiell nicht von der anderer Allergien ab und fußt vor allem auf den drei Säulen Allergenmeidung, antiallergische Medikamente sowie Hyposensibilisierung.

Allergenmeidung

Die Basistherapie einer Kreuzallergie besteht in der Allergenkarenz, d.h. Meidung der bekannten allergieauslösenden Nahrungsmittel oder Substanzen im Rahmen einer individualisierten Eliminationsdiät, bei der Betroffene diese Lebensmittel nicht mehr zu sich nehmen. Diese sollte von einem Arzt oder Ernährungsberater begleitet werden, da nicht immer die Zusammenhänge zwischen primären Allergien und möglichen kreuzallergischen Reaktionen offensichtlich sind. Treten die Kreuzallergien lediglich während der stärksten Pollenbelastung in Erscheinung, kann eine solche Diät in vielen Fällen auf diesen Zeitraum beschränkt werden. Zudem weisen eine Reihe der pollenassoziierten Nahrungsmittel eine geringe Hitzebeständigkeit auf, weshalb bereits Kochen, Backen oder andere Garverfahren zu einer Zerstörung der Aminosäureketten in den betreffenden Eiweißen führen kann. So kommt es gar nicht erst zu Reaktionen. Eine Ausnahme bilden hier allerdings zumeist stark sensibilisierte Betroffene.

Antiallergische Medikamente

Antiallergische Medikamente bzw. Antiallergika wie Antihistaminika oder Cortison kommen vor allem bei versehentlichem Verzehr oder Kontakt mit einem Allergen zum Einsatz. Bei schweren allergischen Reaktionen sollten die Betroffenen mit einem Notfallset (Antihistaminikum, Glukokortikoid und Andrenalin-Autoinjektor) versorgt werden, um im Falle eines allergischen Schocks schnell reagieren zu können.

Hyposensibilisierung

Manchmal kann es helfen, sich vorrangig um die Primärallergie zu kümmern. Klappt eine Hyposensibilisierung hier, ist es möglich, dass auch die Kreuzallergie nicht mehr auftritt. Bislang liegen hier allerdings keine ausreichenden Daten aus klinisch kontrollierten Studien vor. Oftmals wird aber eine Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen und pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien versucht.