Heuschnupfen - Wenn Pollen krank machen

Etwa jeder vierte bis fünfte Erwachsene leidet unter Heuschnupfen, doch auch viele Kinder sind betroffen. Europaweit plagt der Heuschnupfen ungefähr 60 Millionen Menschen. Die Anzahl der Betroffenen nimmt stetig zu. Durch die Allergie kann die Lebensqualität zwar stark beeinträchtigt sein, jedoch ist der Heuschnupfen gut behandelbar.

Was ist Heuschnupfen?

Heuschnupfen (allergische Rhinitis, Pollinosis) ist ein allergischer Schnupfen, der durch eine Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis) hervorgerufen wird. Die Allergene, das heißt die Stoffe, auf die der Organismus allergisch reagiert, sind in der Regel Pollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern. Bei den meisten Menschen tritt der Heuschnupfen zwischen April und August auf, bei einigen aber auch im Spätsommer. Im Frühling sind die Pollen von Bäumen, im Sommer hingegen die Pollen von Gräsern und Getreiden für die Allergie verantwortlich. Pollen von Kräutern blühen vor allem im September. Auch im Januar und Februar beginnt bereits der Pollenflug von Hasel und Erle, weshalb einige Betroffene sogar im Winter unter Heuschnupfen leiden. Der Heuschnupfen manifestiert sich oft zwischen dem 7. und 14. Lebensjahr, kann sich aber auch im höheren Alter noch entwickeln.

Welche Ursachen hat Heuschnupfen?

Die biologische Reaktion, die dem Heuschnupfen zugrunde liegt, ist eine Fehlreaktion des Immunsystems. Kommt der Körper mit Pollenproteinen in Berührung, interpretiert das Immunsystem diese Eiweiße als schädliche Erreger und bildet Antikörper. Bei einem erneuten Pollenkontakt werden durch die Antikörper Entzündungsbotenstoffe, sogenannte Histamine, ausgeschüttet und es kommt zu den typischen Beschwerden eines Heuschnupfens.

Es wird vermutet, dass der Heuschnupfen zum einen genetisch bedingt ist, zum anderen aber auch durch bestimmte Lebensbedingungen und Umweltveränderungen gefördert wird. So ist wahrscheinlich eine übertriebene Hygiene ein Auslöser von Heuschnupfen. Auch die globale Klimaerwärmung spielt vermutlich eine wichtige Rolle, da sich durch das mildere Wetter der Pollenflug verlängert. All diese Umweltveränderungen könnten in den vergangenen Jahrzehnten zur rasanten Zunahme von Heuschnupfen geführt haben.

Welche Symptome treten bei Heuschnupfen auf?

Die Beschwerden bei Heuschnupfen können von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein. Auch die Ausprägung der Symptome ist unterschiedlich stark. Je höher die Konzentration der Pollen ist, desto stärker sind die Beschwerden.

Typische Symptome bei Heuschnupfen sind:

  • laufende oder verstopfte Nase
  • tränende und/oder geschwollene Augen
  • juckende Nase und/oder Augen
  • chronischer Husten
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • geschwollene Lymphknoten

Darüber hinaus können diverse andere Symptome wie Niesattacken, erhöhte Lichtempfindlichkeit, Bindehautentzündung, Gliederschmerzen und Fieber auftreten. Wenn der Heuschnupfen nicht behandelt wird, kann sich die Allergie auf die tieferen Atemwege verlagern und sich in Form von Asthma bronchialebemerkbar machen. In diesem Fall kommen Beschwerden wie Atemnot hinzu.

Wie wird Heuschnupfen diagnostiziert?

Am Anfang der Diagnose von Heuschnupfen steht eine ausführliche Anamnese, bei der der Arzt nach der Krankengeschichte und den Beschwerden des Patienten fragt. Um den Verdacht auf Heuschnupfen zu prüfen, gibt es verschiedene Allergietests. In der Regel wird der Pricktest angewendet, bei dem unterschiedliche Pollenextrakte auf den Unterarm des Patienten geträufelt werden. Nachdem die Haut mit einer Nadel leicht angestochen wurde, zeigt sich bei Allergikern nach etwa 15 Minuten eine Rötung oder Schwellung der betroffenen Stelle. Zusätzlich zum Pricktest sorgt ein Bluttest für eine sichere Diagnose. Im Blut von Menschen mit Heuschnupfen lassen sich Antikörper gegen die Allergene nachweisen.

Welche Therapien gibt es bei Heuschnupfen?

Auch Heuschnupfen mit gering ausgeprägten Symptomen muss behandelt werden, damit sich die Allergie nicht auf die unteren Atemwege verlagert. Grundsätzlich sollten Betroffene ihre Wohnumgebung während der Pollensaison möglichst pollenfrei halten.
Dazu gehören beispielsweise folgende Maßnahmen:

  • nur morgens und abends zu pollenarmen Uhrzeiten lüften
  • regelmäßiges Wechseln der Bettwäsche
  • Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer aufbewahren
  • Wäsche nicht draußen trocknen
  • regelmäßig staubsaugen
  • Haare waschen vor dem Schlafengehen

Bestimmte Allergie-Medikamente können die Beschwerden bei Heuschnupfen lindern. Abschwellende Nasensprays und Nasentropfen sind vorübergehend hilfreich bei verstopften Nasen. Nasenduschen mit Kochsalz eignen sich gut, um die Pollen aus der Nase zu spülen. Außerdem kann der Arzt Antihistaminikaverschreiben, welche das ausgeschüttete Histamin blockieren und dadurch die allergische Reaktion unterdrücken bzw. abschwächen. Eine klassische Behandlung von Allergien in der Schulmedizin erfolgt mit kortisonhaltigen Medikamenten, die innerlich und äußerlich angewendet werden können. Kortison wirkt entzündungshemmend und ist besonders bei akuten und heftigen allergischen Reaktionen sehr effektiv.

Um einen Heuschnupfen im besten Fall ganz heilen zu können, kommt die sogenannte Hyposensibilisierung, eine spezifische Immuntherapie, zum Einsatz. Bei dieser Therapie wird das bekannte Allergen in regelmäßigen Abständen und in steigenden Dosen unter die Haut des Patienten gespritzt. Mit der Zeit soll sich der Körper so an das Allergen gewöhnen. Diese Behandlung hat eine hohe Erfolgsquote (mehr als 90 Prozent), erfordert jedoch viel Geduld, da sie drei bis fünf Jahre dauert.