Erdnussallergie – Allergiker müssen sich selbst vor Kleinstmengen fürchten!

Der perfekte Snack abends vor dem Fernseher: Erdnüsse, am besten geröstet und gesalzen! Während beim Gedanken an die Köstlichkeit vielen Menschen das Wasser im Mund zusammenläuft, werden Allergiker nervös. Kein Wunder, weist die Erdnuss doch ein besonders hohes Allergiepotenzial auf. Bereits geringste Spuren in der Luft oder auf der Haut können schwerwiegende allergische Reaktionen auslösen. Schutz bietet das Notfallset, allerdings sind Allergien nicht immer bekannt oder treten ganz plötzlich auf!

Die Verursacherin der Erdnussallergie

Die Erdnuss ist nur von der Struktur her eine Nuss, aus botanischer Sicht zählt die Frucht zu den Hülsenfrüchten und bildet gemeinsam mit der Erbse und verschiedenen Bohnenarten eine Unterfamilie. Die Nutzpflanze stammt ursprünglich aus dem Andengebirge, von wo aus sich die Erdnuss bald über weite Teile Südamerikas ausgebreitet hat. Heute sind die Hauptanbaugebiete China, Indien, Westafrika sowie Nord- und Südamerika.

Gefahr Erdnussallergie

Die Erdnussallergie zählt zu den häufigsten Nussallergien, was vor allem mit den Ernährungsgewohnheiten in den Industrieländern zusammenhängt. Besonders hoch sind die Allergikerzahlen in den USA und in Großbritannien. Im Vergleich zu anderen Nahrungsmitteln besitzt die Erdnuss eine Vielzahl von Allergenen und weist deshalb ein besonders hohes Allergiepotenzial auf. Geringe Mengen, schon im Mikrogrammbereich, können zu lebensgefährlichen allergischen Reaktionen führen. Bei der Erdnuss handelt es sich um jenes Lebensmittel, welches die häufigste Ursache für einen tödlich verlaufenden anaphylaktischen Schock ist.

Symptome der Erdnussallergie

Krankheitszeichen treten bei der Erdnussallergie in der Regel unmittelbar nach dem Kontakt oder nur wenig verzögert auf. Bei einer starken Allergie muss es nicht einmal zum Verzehr der Erdnuss kommen, bereits das Berühren oder das Einatmen von Erdnusspartikeln kann schwere Folgen haben.
Die Symptome können verschiedene Körperstellen betreffen:

  • Atemwege: Juckreiz in der Nase, Niesen, allergischer Schnupfen, Husten, Engegefühl im Hals, Schluckbeschwerden, Schwellung im Rachenraum, Atemnot
  • Verdauungssystem: Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe
  • Haut: Reizungen, Rötungen, Nesselsucht, Quaddelbildung
  • Allgemeine Symptome: Unruhe, Angstgefühle, Kopfschmerzen, tränende Augen, veränderter Puls, Bewusstlosigkeit

Bei einer besonders starken Allergie droht ein anaphylaktischer Schock, der das Herz-Kreislauf-System destabilisiert und im schlimmsten Fall zu einem Kreislaufzusammenbruch und zu multiplem Organversagen führen kann.

Erdnussallergie diagnostizieren

Bei geringstem Verdacht auf eine Erdnussallergie sollte ein Arzt aufgesucht werden. Der Anamnese (Patientenbefragung) folgt ein Allergietest, in vielen Fällen der sogenannte Pricktest. Dabei wird das potenzielle Allergen auf die Haut aufgetragen und mithilfe einer Lanzette in die obersten Hautschichten übertragen. Nach etwa 20 bis 30 Minuten wird die Einstichstelle kontrolliert. Sind allergische Reaktionen wie eine Rötung oder Pusteln zu sehen, ist die Erdnussallergie identifiziert.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Labortests mit Blut durchzuführen. Verschiedene Blutproben werden im Labor auf spezifische IgE-Antikörper, sogenannte Immunglobuline, untersucht und gegen Allergieauslöser getestet.

Der Provokationstest ist eine weitere Diagnosemöglichkeit. Bei Verdacht auf eine Erdnussallergie werden dem Patienten Allergene durch Mund oder Nase verabreicht. Im Zuge der Untersuchung kann es zu schweren allergischen Reaktionen kommen, weswegen der Test niemals in Eigenregie durchgeführt werden darf.

Erdnussallergie therapieren?

Bislang kann eine Erdnussallergie nicht geheilt werden. Eine Verbesserung der Symptome dank Hyposensibilisierung, die etwa bei Heuschnupfen oder Insektengiftallergien eingesetzt wird, wurde bislang nur in Studien getestet. Dem Erdnussallergiker bleibt also nur ein Weg: Allergischen Reaktionen mit einer Karenz vorbeugen. Erdnüsse und sämtliche Produkte, in denen auch nur Spuren von Erdnüssen enthalten sind, müssen gänzlich gemieden werden. Vorsicht ist zudem bei Seifen, Kosmetika, Vitaminpräparaten oder Linoleum geboten.

Diagnostiziert der Arzt eine Überempfindlichkeit, wird er sofort ein Notfallset verschrieben. Dieses beinhaltet einen Adrenalinautoinjektor, ein Antihistaminikum sowie ein Kortisonpräparat. Das Set kann im Falle eines anaphylaktischen Schocks Leben retten. Der Umgang mit dem Notfallset sollte deshalb sowohl dem Patienten als auch seinem Umfeld vertraut sein.

Ernährung bei einer Erdnussallergie

Verpackungen und Etiketten auf Lebensmitteln informieren den Konsumenten über Inhaltsstoffe. Erdnussallergiker sollten diese Informationen besonders aufmerksam studieren. Viele alltägliche Lebensmittel wie Brot, Margarine, Kartoffelmischungen, Kekse, Marzipan, Nougat, Schokolade, Naschwaren oder Müslimischungen enthalten Erdnüsse. Doch auch wenn man in einem Produkt auf den ersten Blick keine Nüsse vermutet, können zumindest Spuren von Erdnüssen enthalten sein. Insbesondere durch gemeinsam genutzte Produktionsanlagen können Kleinstmengen von Erdnüssen in andere Lebensmittel gelangen. Diese sind mit dem Hinweis „Kann Spuren von Nüssen enthalten“ gekennzeichnet.

In Restaurants können Allergiker mittlerweile auf einen Blick erkennen, ob Erdnussprodukte in den einzelnen Speisen enthalten sind. Dank der Allergeninformationsverordnung sind alle betroffenen Gerichte mit „E“ gekennzeichnet.

 

Erdnüsse

Erdnussallergie bei Kindern

Sind Kinder von einer Erdnussallergie betroffen, ist die Aufklärung des Kindes und seines Umfeldes von größter Wichtigkeit. Schon im Kleinkindalter sollte das Kind informiert werden, dass es gegen Erdnüsse allergisch ist. Am besten wird dem Kind gezeigt, wie Erdnüsse aussehen und wie sie verpackt sind. Es ist wichtig, dass der Nachwuchs weiß, dass es die Nüsse auf keinen Fall essen darf. Ohne den Begriff des „Sterbens“ zu verwenden, sollte dem Kind erklärt werden, dass die Allergie sehr krank machen kann. Die Erdnussallergie sollte im Alltag immer wieder Thema sein, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.

Ab dem Grundschulalter kann der Nachwuchs immer mehr in das Allergiemanagement einbezogen werden. Es kann Zutatenlisten selbst lesen oder über den Inhalt und die Anwendung des Notfallsets informiert werden.

Es lohnt sich, das betroffene Kind von Anfang an auf manche Verhaltensweisen zu trainieren:

  • Händewaschen vor jeder Mahlzeit
  • Nur selbst mitgebrachte Lebensmittel verzehren
  • Nur eigenes Geschirr, Besteck und Trinkflasche benutzen
  • Sich von Erdnüssen fernhalten und einem Erwachsenen melden, wenn in der Nähe Nüsse verzehrt werden
  • Schon beim geringsten Unwohlsein einen Erwachsenen verständigen

Aufsichtspersonen im Kindergarten und in der Schule müssen selbstverständlich über die Erdnussallergie informiert werden. Oftmals reagieren ErzieherInnen und LehrerInnen erst ablehnend. Umfangreiche Informationen zum Thema, klare Vereinbarungen, ein Notfallplan und die genaue Erklärung des Notfallsets können Vorbehalte aber abbauen.