Bienenstichallergie – Gefahr durch Insektengiftallergie

Bei der Bienenstichallergie, häufig auch als Bienengiftallergie bezeichnet, entwickelt sich nach dem Stich einer Honigbiene eine allergische Reaktion. Bereits innerhalb kurzer Zeit treten Symptome wie Hautausschlag, Juckreiz oder Übelkeit auf. Rund ein Viertel aller Menschen in Deutschland reagieren allergisch auf Bienen- oder Wespenstiche. Jedes Jahr versterben etwa 20 von ihnen an den Folgen eines Insektenstiches.

Die Ursachen der Bienenstichallergie

Bienenstichallergiker reagieren insbesondere auf drei Stoffe aus dem Bienengift überempfindlich:

  • Phospholase A
  • Mellitin
  • Hyaluronidase

Beim ersten Kontakt mit dem Allergen, in diesem Fall mit dem Insektengift, bildet der Körper Antikörper. Hier zeigen sich noch keinerlei Symptome. Allerdings existieren ab diesem Zeitpunkt IgE-Antikörper gegen das Bienengift im Blut. Diese binden sich mit Vorliebe an die sogenannten Mastzellen. Mastzellen gehören zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten). In ihrem Zellinneren sind sie reich an dem Gewebshormon Histamin, das auch als Entzündungsmediator bekannt ist. Erfolgt nun erneut ein Bienenstich, reagieren die IgE-Antikörper auf ihr Allergen und aktivieren die Mastzellen. Diese schütten daraufhin vermehrt Histamin aus, das für einen Großteil der allergischen Beschwerden verantwortlich ist. Die Bienenstichallergie ist eine Allergie vom Typ 1, dem sogenannten Soforttyp. Dementsprechend erfolgt die Symptomentwicklung sehr schnell nach dem Insektenstich.

Warum einige Menschen allergisch auf Bienenstiche reagieren und andere nicht, konnte bisher nicht geklärt werden. Prinzipiell kann jeder Mensch zum Bienenstichallergiker werden, es scheint jedoch, dass eine Neigung zur Allergie vererbt werden kann. So liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind von zwei Allergikern ebenfalls eine Allergie entwickelt, bei mehr als 50 Prozent. Haben Mutter und Vater die gleiche Allergie, erhöht sich das Risiko sogar auf bis zu 80 Prozent.

Die Symptome der Bienenstichallergie

Art und Ausprägung der Beschwerden nach dem Insektenstich sind von Mensch zu Mensch verschieden. Unmittelbar nach dem Stich kommt es häufig zu einer schmerzhaften Rötung und einer Schwellung an der Einstichstelle. Diese Hauterscheinungen werden oft von einem ausgeprägten Juckreiz begleitet. Bei Menschen mit einer leichten Allergie klingen die Symptome der Überempfindlichkeit bereits innerhalb eines Tages ab. Hat die Schwellung allerdings einen Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern und halten die Symptome länger als einen Tag an, liegt eine schwere Lokalreaktion vor. Bei Stichen im Mund- und Rachenbereich kann diese Lokalreaktion zu lebensbedrohlichen Atembeschwerden führen.

Die allergische Reaktion kann sich je nach Schweregrad auch auf den gesamten Körper ausbreiten. Die Patienten leiden unter einem Engegefühl in der Brust und unter Atemnot. Auch Schwindel ist ein typisches allergisches Symptom, das bei einer Bienenstichallergie auftreten kann. Augenlider und Lippen können deutlich anschwellen, auch wenn sich die Einstichstelle nicht im Gesicht befindet. In diesem Stadium der Allergie leiden die Patienten häufig unter Atemnot und infolgedessen auch unter großer Angst.

Im schlimmsten Fall entwickelt sich ein anaphylaktischer Schock. Jucken, Brennen und ein Hitzegefühl im Gesichts- und Rachenbereich können auf einen anaphylaktischen Schock hindeuten. Auch Schluckbeschwerden und eine Verengung der Atemwege mit einer Blaufärbung der Haut sind typische Schocksymptome. Im Verlauf dessen entwickelt sich ein Kreislaufschock, der durch eine massive Weitstellung der Blutgefäße durch das Histamin und andere Entzündungsmediatoren hervorgerufen wird. Das Blut versackt daraufhin in den Gefäßen, sodass die Organe unterversorgt sind. Um dies zu kompensieren, kommt es zu einem sehr schnellen Herzschlag (Tachykardie). Eine Kompensation ist zu diesem Zeitpunkt aber kaum noch möglich, sodass der Blutdruck trotz der Gegenmaßnahmen des Körpers abfällt. Die Folge ist ein sogenannter hypovolämischer Schock, der lebensbedrohlich ist und eine sofortige notfallmedizinische Behandlung erfordert.

Bienenstich mit Hefeteig

Die Behandlung einer Bienenstichallergie

Wenn der Stachel der Biene noch in der Haut steckt, sollte dieser vorsichtig gezogen werden. Andernfalls gelangt noch Gift in die Wunde. Solange die allergische Reaktion lokal begrenzt auftritt, kann die Einstichstelle mit Eiswürfeln oder Coolpacks gekühlt werden. Auch kühlende Salben können den Juckreiz und die Schmerzen lindern. Ausgeprägtere Hautreaktionen erfordern hingegen ein Antihistaminikum. Diese Arzneimittel blockieren die Histaminrezeptoren im Körper und verhindern so die Entstehung der allergischen Symptome. Bei Insektenstichen im Mund oder einer Verschlechterung der Symptomatik sollte umgehend ein Arzt aufgesucht oder der Notdienst alarmiert werden.

Menschen mit einer bekannten Bienenallergie verfügen in der Regel über ein Notfallset. Dieses enthält meist ein Spray, das die Bronchien weitet und den Betroffenen so das Atmen erleichtert. Gesellen sich zu den Atembeschwerden noch Kreislaufprobleme, kann über eine Autoinjektions-Spritze Adrenalin injiziert werden. Auch ein Antihistaminikum sowie ein kortisonhaltiges Präparat sind Teil eines solchen Notfallsets. Jedoch eignen sich die Sets nicht für eine ausschließlich selbstständige Behandlung. Auch hier sollte schnellstmöglich ein Arzt kontaktiert werden.

Allergiker mit Schocksymptomatik müssen sofort notfallmedizinisch behandelt werden. Im Vordergrund steht die Stabilisierung des Kreislaufs mithilfe von Flüssigkeitsinfusionen.
Eine Hyposensibilisierung kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken und so schweren allergischen Erscheinungen vorbeugen. Bei dieser spezifischen Immuntherapie (SIT) spritzt der behandelnde Arzt über einen Zeitraum von drei Jahren jeden Monat ein Extrakt des Bienengiftallergens. Die Dosis wird dabei Stück für Stück erhöht. So soll sich das Immunsystem des Patienten nach und nach an das Allergen gewöhnen. Das Ziel dabei ist, dass die übertriebenen Reaktionen nach einem Kontakt mit dem Allergen nachlassen.

Oberste Priorität bei einer bereits bekannten Bienenallergie ist es jedoch, Bienenstiche so gut es geht zu vermeiden. Dafür sollten Allergiker auch bei warmen Temperaturen langärmlige dünne Kleidung tragen und ihren Kopf bedecken. Bienen sollten niemals mit hektischen Bewegungen verscheucht werden. Die Gefahr eines Stiches steigt dadurch stark an. Insektenschutzmittel können zudem dabei helfen, die Bienen fernzuhalten und so vor den gefürchteten Stichen zu schützen.