Die Ambrosiaallergie ist eine Folge des globalisierten Warenverkehrs

Bei einer Ambrosiaallergie kommt es zu einer Reaktion des Immunsystems bei Kontakt mit dem Blütenstaub bzw. den Pollen der Ambrosia-Pflanze („Ambrosia artemisiifolia“ bzw. beifußblättriges Traubenkraut). Die eigentlich aus Nordamerika stammende Pflanze wurde durch Importwaren (u.a. Vogelfutter) nach Deutschland eingeführt und breitet sich schrittweise Richtung Norddeutschland aus. Aufgrund ihrer äußerst aggressiven Pollen und des daher hohen Allergiepotenzials stellt die Ambrosia-Pflanze eine zunehmende gesundheitliche Gefahr dar. In wissenschaftlichen Studien konnte aufgezeigt werden, dass die Mehrheit der europäischen Bevölkerung und beinahe alle Pollenallergiker sensibel auf die Pollen der Ambrosia-Pflanze reagieren.

Die Pollen der Ambrosia-Pflanze lösen im Grunde die gleichen Symptome wie jede andere Pollenallergie aus. Allerdings können hier bereits geringe Konzentrationen in der Luft zu akuten allergischen Symptomen wie eine laufende Nase, Niesen sowie zu brennenden und juckenden Augen oder Atembeschwerden führen, insbesondere bei bereits vorbelasteten Personen. Die einzige kausale Therapie, die zu einer Heilung führen kann, ist eine sogenannte Hyposensibilisierung. Bei dieser wird das Immunsystem schrittweise an das allergieauslösende Allergen gewöhnt, um die Symptome langfristig abzuschwächen oder sogar ganz abzustellen.

Die Ursachen einer Ambrosiaallergie: Fehlreaktion des Immunsystems

Die Ambrosiaallergie gehört zu den sogenannten Immunglobulin-E(IgE)-vermittelten Allergien (sogenannte Typ-1-Reaktion). Bei einem Erstkontakt mit bestimmten Eiweißstrukturen auf den an sich harmlosen Ambrosiapollen kommt es zu einer übermäßigen Bildung von Immunglobulinen der Gruppe E (sogenannte IgE-Antikörper). Dieser Prozess wird als Sensibilisierung bezeichnet und verläuft klinisch stumm, also symptomlos.

Warum einige Menschen sensibilisiert werden und andere wiederum nicht, ist bislang nicht vollständig geklärt. Es wird allerdings von einer genetisch bedingten Veranlagung ausgegangen, die im Zusammenspiel mit bestimmten Umweltfaktoren zu einer Sensibilisierung führen kann. Bei einem erneuten Kontakt, bis zu welchem sogar mehrere Jahre vergehen können, kommt es zu einer überschießenden Immunantwort. Die IgE-Antikörper binden an die sogenannten Mastzellen sowie basophilen Granulozyten, die für die Bildung der symptomauslösenden Botenstoffe zuständig sind. Dort bedingen sie die Ausschüttung von hochaktiven Mediatoren bzw. Entzündungsbotenstoffen wie Histamin und Leukotrienen. So verursacht Histamin beispielsweise über eine Erweiterung und erhöhte Durchlässigkeit der Blutgefäße Schwellungen und Rötungen im Bereich von Nasenschleimhaut und Augenbindehaut. Gleichzeitig führt es zu einer Verengung der Bronchien.

Eine Ambrosiaallergie führt zu den für Pollenallergien typischen Symptomen

Nach einer Sensibilisierung auf die Pollen der Ambrosia-Pflanze treten grundsätzlich bei Kontakt mit den Pollen der Pflanze die für alle Pollenallergien charakteristischen Symptome auf:

  • allergischer Schnupfen (allergische Rhinitis) mit Fließschnupfen, Niesen, Juckreiz im Bereich der Nase, eingeschränkte Nasenatmung und im weiteren Verlauf Nasennebenhöhlenentzündung (allergische Sinusitis)
  • Bindehautentzündung mit Juckreiz, Brennen und Rötung der Augen (allergische Konjunktivitis)
  • allergisches Asthma mit trockenem und anfallartigem Husten, Atembeschwerden und Luftnot sowie Engegefühl im Brustbereich
  • Nesselsucht mit geröteten und juckenden Hautarealen sowie Quaddelbildung (allergische Urtikaria)

Hierbei zeigen sich die Symptome innerhalb weniger Minuten bis höchstens ein bis zwei Stunden nach Kontakt mit den Ambrosia-Pollen (Soforttypreaktion). Die Pollen der Ambrosia-Pflanze gelten zudem als äußerst aggressiv, da bereits geringe Konzentrationen zu ausgeprägten Symptomen führen können.

Die Behandlung einer Ambrosiaallergie

Die therapeutischen Maßnahmen fußen auf den drei Therapiesäulen Allergenkarenz, medikamentöse Behandlung und Hyposensibilisierung.

Allergenkarenz

Eine vollständige Meidung des Allergens, die sogenannte Allergenkarenz bzw. Expositionsprophylaxe, ist bei Pollenallergien wie der Ambrosiaallergie nicht möglich, da sich die Allergene während der Pollensaison überall in der Luft befinden und kilometerweite Strecken zurücklegen können. So wurden beispielsweise im Südosten Deutschlands Ambrosia-Pollen aus Ungarn nachgewiesen. Aber es ist möglich, die Menge der Pollen durch Pollenvlies vor dem Schlafzimmerfenster oder Pollenfilter im Auto einzuschränken. Ferner wird Pollenallergikern empfohlen, während der Monate mit Höchstbelastung Outdoor-Aktivitäten wie Joggen möglichst einzuschränken und im Freien getragene Kleidung nicht ins Schlafzimmer zu transportieren. Oftmals hilft auch eine Dusche vor dem Zubettgehen. Ambrosia weist in den Monaten August bis September die höchste Pollenkonzentration auf. Zudem sollten in der Pollensaison besonders belastete Ziele wie Ungarn, Kroatien, Norditalien und Südfrankreich in der Urlaubsplanung berücksichtigt werden.

Medikamentöse Behandlung

Insbesondere im Rahmen der symptomatischen Behandlung werden zur Verbesserung des allergischen Schnupfens und der asthmatischen Beschwerden Medikamente eingesetzt. Hierbei stehen zur Hemmung der Histaminausschüttung oder -wirkung sogenannte Antihistaminika (Lecocetirizin, Fexofenadin, Desloratadin) und Mastzellstabilisatoren (Cromoglicinsäure, Nedocromil) zur Verfügung. Antiallergische Augentropfen, abschwellende Nasentropfen sowie nasale Glukokortikosteroide (Kortison-Spray zum Inhalieren durch die Nase) können die Beschwerden lokal im Bereich von Nase und Augen lindern. Bei asthmatischen Beschwerden kommen Antiasthmatika wie sogenannte Leukotrienrezeptor-Antagonisten (Montelukast) oder Kortison-Sprays zum Einatmen zum Einsatz.

Hyposensibilisierung

Kann ein Kontrakt mit Ambrosia-Pollen nicht vermieden werden und ist eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend, kann eine Hyposensibilisierung (auch spezifische Immuntherapie) erwogen werden. Bei einer Hyposensibilisierung wird das Immunsystem allmählich an das Allergen gewöhnt, um die überschießende Immunantwort zu hemmen. Sie greift entsprechend als einzige Therapieoption modulierend in das Immunsystem ein, um die Symptome zu lindern und im Idealfall gänzlich zu unterdrücken. Hierzu wird dem Betroffenen für eine Dauer von bis zu drei Jahren ein Allergenextrakt regelmäßig und in steigenden Konzentrationen unter die Haut gespritzt (subkutane Immuntherapie) oder als Tablette verabreicht bzw. als Lösung unter die Zunge getropft (sublinguale Immuntherapie). Je früher eine Hyposensibilisierung durchgeführt wird, desto wahrscheinlicher ist der Therapieerfolg.

 

Bild von Père Igor (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons