Bei Menschen mit Sorbitintoleranz ist die Aufnahme von Sorbit im Dünndarm beeinträchtigt, sodass bereits geringe Mengen zu Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall führen können. Schätzungsweise acht bis zwölf Prozent der deutschen Bevölkerung leidet an einer Sorbitintoleranz.

Was ist eine Sorbitintoleranz?

Die Sorbitintoleranz (auch Sorbitmalabsorption oder Sorbitunverträglichkeit) gehört nicht zum Spektrum allergischer Reaktionen, bei denen das Immunsystem auf an sich harmlose Substanzen mit einer übersteigerten Immunantwort reagiert. Vielmehr ist die Aufnahme von Sorbit im Dünndarm teilweise oder vollständig gestört, sodass auch geringe Mengen Sorbit nicht mehr resorbiert werden können. Es gelangt stattdessen in den Dickdarm und verursacht dort die für alle Nahrungsmittelintoleranzen typischen Symptome.

Was ist Sorbit und wie wirkt es?

Sorbit – auch Sorbitol, Hexanhexol, Glucitol genannt – gehört zur Gruppe der Zuckeralkohole und ist ein körpereigenes Stoffwechselprodukt. Es wird bei der Umwandlung von Glukose in Fruktose vom Körper synthetisiert. Als Naturstoff kommt Sorbit vermehrt auch in einigen Obst- und Beerensorten vor. Es wird von der Lebensmittelindustrie häufig als Süßstoff beziehungsweise Zuckeraustauschstoff in zuckerfreien, energiereduzierten Lebensmitteln und Süßigkeiten (unter anderen Kaugummis, Diabetikerprodukte), aber auch in Pflegeprodukten und Kosmetika (unter anderen Mundspülungen, Zahnpasta) eingesetzt. Auf Lebensmitteln und Kosmetika wird der Zuckeraustauschstoff mit der E-Zusatzstoffnummer 420 (E420) ausgewiesen.

Daneben wird Sorbit sehr häufig als Medikament (unter anderem Diuretikum beziehungsweise Abführmittel) oder in Medikamenten als Trägersubstanz und Feuchthaltemittel eingesetzt. Es ist in Wasser leicht löslich und kommt häufig als rektales oder perorales Diuretikum zum Einsatz. Die Wirkung beruht hier auf der Fähigkeit von Sorbit, das Wasser im Darm zu binden (osmotische Wirkung). Da der Dünndarm Sorbit lediglich langsam resorbieren kann, gelangt bei großen Aufnahmemengen eine erhöhte Menge des Stoffes in den Dickdarm. Hier wirkt Sorbit osmotisch, indem es den Dickdarmzellen Wasser entzieht. Der Stuhl wird dünnflüssiger und ab einer individuell unterschiedlichen Menge führt Sorbit zu Durchfall (sogenannte osmotische Diarrhoe).

Zudem wird Sorbit im Dickdarm von den dort befindlichen Bakterien metabolisiert. Bei dieser Umwandlung entstehen Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid, die zu Blähungen und abdominalen Schmerzen führen. Auch bei gesunden Menschen führt Sorbit ab einer bestimmten Menge zu diesen Verdauungsbeschwerden, die nicht zwangsläufig auf eine Sorbitintoleranz hindeuten. Vielmehr sind diese das Resultat vollkommen normaler Prozesse.

Die Ursachen einer Sorbitintoleranz

Normalerweise wird Sorbit über die Darmwand ins Blut und anschließend in die Leber transportiert, wo es in Glukose und Fruktose umgewandelt wird. Besteht allerdings eine Sorbitunverträglichkeit, ist die Aufnahme des Zuckeralkohols über die Schleimhaut des Dünndarms verschieden stark eingeschränkt (Malabsorption). Das nicht aufgenommene Sorbit wird direkt in den Dickdarm weitertransportiert. Durch die osmotische Wirkung kommt es in Kombination mit der gestörten Darmflora zu den charakteristischen Symptomen. Die Menge Sorbit, ab welcher die Beschwerden auftreten, ist individuell verschieden. Warum die verträgliche und tolerable Sorbitmenge bei Betroffenen herabgesetzt ist, ist bislang nicht geklärt. Vermutet wird eine genetische Komponente, da Asiaten und Afroamerikaner häufiger an einer Sorbitintoleranz leiden als Europäer. Zudem leiden mehr als 70 Prozent der Reizdarmsyndrom-Betroffenen an einer Sorbitintoleranz.

Die Symptome einer Sorbitintoleranz

Eine Sorbitintoleranz äußert sich typischerweise durch abdominale Schmerzen und Krämpfe, Übelkeit, Blähungen, Diarrhoe sowie vermehrte Darmgeräusche, die sich etwa ein bis drei Stunden nach Verzehr manifestieren. Langfristig kann eine Sorbitintoleranz zu Gewichtsverlust führen. Bei Diabetikern können hohe Sorbitkonzentrationen zusätzlich zu Neuropathien (Nervenschädigungen) und Beeinträchtigungen der Augenfunktion führen.

Wie wird eine Sorbitintoleranz diagnostiziert?

Ein Verdacht auf eine Intoleranz resultiert zumeist aus dem Anamnesegespräch. Abgesichert wird dieser Verdacht im Rahmen eines sogenannten H2-Atemtests (Wasserstoffatemtest). Diese Atemtests werden bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Diarrhoe und Abdominalschmerz durchgeführt, um Beeinträchtigungen der Verdauung im Dünndarm festzustellen. Sie sind nicht invasiv und gut validiert.

Bei der Metabolisierung von Kohlenhydraten entsteht im Darm Wasserstoff (H2), dessen Konzentration über die Ausatemluft gemessen werden kann. In Abhängigkeit von der zu untersuchenden Funktion wird ein bestimmter Zucker beziehungsweise Zuckeralkohol – bei Verdacht auf Sorbitintoleranz dementsprechend Sorbit – verabreicht, um anschließend in regelmäßigen Intervallen die Wasserstoffkonzentration in der Ausatemluft zu messen. Um das Testergebnis nicht zu verfälschen, sollten Patienten 24 Stunden vor dem Test keinen Alkohol konsumieren oder Sport treiben. Antibiotika-Einnahmen und Darmspiegelungen sollten mindestens eine Woche zurückliegen. Am Untersuchungstag sollten Betroffene zudem nüchtern sein, nicht rauchen und sich nicht die Zähne putzen.

Zur Bestimmung des Symptomindexes führen Betroffene manchmal ein Symptomprotokoll, in welchem sämtliche beobachteten Erscheinungen festgehalten werden. Eine Sorbitintoleranz wird anhand der im Tagebuch festgehaltenen Symptome und der festgestellten Gaskonzentrationen in den Atemproben diagnostiziert. Im Rahmen einer Duodenumbiopsie (Dünndarmbiopsie) kann zudem der Enzymspiegel im Gewebe bestimmt werden. Da dieser Test kostspielig und invasiv ist, wird er nur selten durchgeführt.

Sorbitintoleranz: häufig an Fruktoseintoleranz gekoppelt

Darüber hinaus sollte eine Fruktoseintoleranz ausgeschlossen werden, da Sorbit dabei oftmals problematisch ist. Denn: Sorbit wird im Körper zu Fruktose metaboliert, wodurch sich die Symptome der Fruktoseintoleranz verstärken. Darüber hinaus hemmen hohe Sorbit-Konzentrationen die Fruktoseaufnahme im Dünndarm. Eine erhöhte Menge wird dadurch an den Dickdarm weitergegeben und führt zu Verdauungsbeschwerden.

Die Therapie einer Sorbitintoleranz

Wie bei den meisten Intoleranzen basiert die Therapie auf einer Sorbitkarenz beziehungsweise einer Reduktion der Sorbitaufnahme auf ein für den Betroffenen verträgliches Maß. Es sollte also auf sorbitenthaltendes Obst und andere Lebensmittel verzichtet werden. Sorbitreiche Nahrungsmittel sind unter anderem:

  • Pflaumen (frisch und getrocknet)
  • Birnen
  • Äpfel
  • Süßkirschen
  • Pfirsiche
  • Aprikosen
  • Rosinen
  • Bier
  • energiereduzierte Lebensmittel wie zuckerfreie Süßigkeiten oder Diabetikerprodukte

Daneben kann Sorbit auch in verarbeitetem Obst wie Fruchtsäften, Wein, Joghurt oder Marmelade enthalten sein. Da die tolerable Menge individuell variiert, muss diese auch von Fall zu Fall ausgetestet werden. In aller Regel liegt sie aber zwischen 10 und 20 Gramm pro Tag, in einigen Fällen auch darunter. Müssen Diuretika mit Sorbit eingenommen werden, sollte mit dem Arzt abgesprochen werden, ob diese nicht durch ein sorbitfreies Medikament ersetzt werden können.

Die Karenz führt bei den meisten Betroffenen rasch zu einer Verbesserung des Symptombildes. Empfohlen wird eine begleitende Ernährungsberatung, da Sorbit für die Betroffenen nicht immer gleich in allen Lebensmitteln und Getränken zu erkennen ist und eine gesunde Ernährung mit ausreichend Obst bei Sorbitintoleranz problematisch sein kann. Darüber hinaus ist es gerade in der Anfangs- und Testphase empfehlenswert, ein Ernährungs- und Symptomprotokoll zu führen, um Zusammenhänge zwischen konsumierten Nahrungsmitteln und Beschwerden leichter festzustellen.