Nahezu alle Lebensmittel können bei entsprechender Übersensibilisierung allergische Reaktionen hervorrufen. Dabei sind manche Nahrungsmittelallergien verbreiteter als andere – eine Allergie gegen Erdnüsse kommt beispielsweise vergleichsweise häufig vor. Nachfolgend werden die eher seltenen Allergien gegen Hefe und Gelatine beschrieben.

Allergie gegen Hefe

Hefe ist ein einzelliger Pilz, der als Backhefe (Saccharomyces Cerevisiae) wegen seiner gärenden Eigenschaften bei der Herstellung von Teigprodukten, aber auch Bier, Wein und Essig zum Einsatz kommt. Auch in verschiedenen Kosmetika und Medikamenten wird Hefe verarbeitet.
In Deutschland reagieren nur wenige Menschen auf Hefe und Hefeprodukte allergisch.

Symptome und Diagnose

Nach dem Kontakt mit dem Allergen können Betroffene mehrere, unterschiedliche intensiv ausgeprägte Beschwerden verspüren. Dazu gehören beispielsweise

  • Anschwellen von Zunge und Lippen
  • Allgemeine Magenbeschwerden mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
  • Schwellungen der Schleimhäute in Nase, Mund oder Rachen
  • Hautausschlag: Rötungen, Ekzeme, Juckreiz oder auch Pusteln und Bläschen
  • Nesselsucht oder Neurodermitis
  • Reaktionen der Atemwege oder allergisches Asthma
  • Seltener auch allergische Schocks

Die Symptome sind recht unspezifisch und können auch auf andere Erkrankungen hinweisen, daher ist die Diagnose einer Hefeallergie nicht ganz einfach. Wenn schon ein Verdacht auf eine Allergie gegen Hefe besteht, kann es hilfreich sein, ein Ernährungstagebuch zu führen und die konsumierten Lebensmittel sowie zeitliche Abstände zu auftretenden Symptomen zu notieren.
Gewissheit verschafft ein Allergietest, den ein Arzt durchführen kann. Die Hefeallergie lässt sich schließlich durch den Nachweis von Hefe-Antikörpern im Blut oder durch einen Hauttest (Pricktest oder Epikutantest) diagnostizieren.

Behandlung

Eine Hefeallergie lässt sich am Ehesten durch den Verzicht auf diejenigen Lebensmittel behandeln, bei deren Herstellung Hefe als Treibmittel eingesetzt wird. Bei Backwaren sollte man zu Sauerteig oder Backpulver statt Hefeteig greifen, während unter den alkoholischen Getränken insbesondere das Hefeweizen gemieden werden sollte. Bei älterem Wein finden sich weniger Heferückstände als bei jungem Wein.
Gegebenenfalls kann auch eine Desensibilisierungstherapie helfen – dabei wird der Betroffene kontrolliert einer zunehmenden Dosis von Hefeallergenen ausgesetzt. Dadurch kann sich der Körper an die Stoffe gewöhnen und auf diese Weise allergische Reaktionen eindämmen. Eine solche Therapie sollte aber unbedingt mit einem Allergologen abgestimmt werden.

Allergie gegen Gelatine

Eine Allergie gegen Gelatine tritt nur sehr selten auf. Gelatine ist ein Gemisch aus tierischen Proteinen, das bei Lebensmitteln eingesetzt wird, die sich im Mund auflösen. Es dient dabei unter anderem als Gelier- und Dickungsmittel, zur Feuchtigkeitsbindung und Bildung von Schaum. Sehr häufig ist Gelatine in Süßwaren enthalten, wie etwa Gummibärchen, Pudding, Bonbons, Gelee und Tortengüssen, aber auch in Sülze, Dosenschinken, fettarmen Brotaufstrichen und Säften.
Des Weiteren wird Gelatine auch zur Herstellung mancher Impfstoffe verwendet, insbesondere bei Importprodukten aus dem asiatischen Raum.

Symptome, Diagnose und Behandlung

Eine Gelatineallergie äußert sich durch Hautrötungen, Quaddelbildung, Schwächegefühle, Engegefühl in der Brust und Atembeschwerden bei Asthmatikern.
Nach einer Impfung mit gelatinehaltigen Stoffen können starker Husten und schwere Atemprobleme auftreten. Auch anaphylaktische Reaktionen (Kreislaufversagen) sind möglich, treten aber nur sehr selten auf.
Diagnostiziert wird eine Allergie auf Gelatine mithilfe verschiedener Allergietests, wie dem Pricktest, Scratchtest und dem Radio-Allergo-Sorbent-Test (RAST).
Betroffene sollten auf gelatinehaltige Produkte verzichten. Problematisch ist, dass Gelatine als Lebensmittel zählt und daher auf der Verpackung nicht als Zusatzstoff gesondert gekennzeichnet werden muss. Das erschwert die Identifizierung und somit das Einkaufen für Allergiker.