Die Salicylatintoleranz gehört zu den sogenannten Pseudoallergien. Es handelt sich dabei nicht um eine Allergie im eigentlichen Sinne, sondern um eine Unverträglichkeitsreaktion auf Salicylate, also die Salze der Salicylsäure. Sie kommen unter anderem in den Blättern, Blüten und Wurzeln verschiedener Pflanzen vor. Menschen mit einer Salicylatintoleranz reagieren auf salicylsäurehaltige Medikamente und Lebensmittel mit einer klinischen Symptomatik, die einer allergischen Reaktion im klassischen Sinne ähnelt.

Die Entstehung der Salicylatintoleranz

Im Mittelpunkt der Krankheitsentstehung steht der sogenannte Arachidonsäure-Eikosanoid-Stoffwechsel: Aus fetthaltigen Bestandteilen der Zellwände entsteht durch die Arbeit der sogenannten Phospholipasen, also fettspaltende Enzyme, die Arachidonsäure. Es handelt sich dabei um eine Fettsäure, die die Basis für Eikosanoide bildet. Eikosanoide sind verschiedene hormonähnliche Substanzen, die als Signalmoleküle im Organismus wirken. Wichtige Vertreter dieser Substanzen sind unter anderem Prostaglandine und Leukotriene. Diese vermitteln in den Zellen und Organen des Körpers zum Beispiel Entzündungsvorgänge und sind auch für Überempfindlichkeiten verantwortlich.

Salicylate, wie sie in größeren Mengen in den Schmerzmitteln der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) vorkommen, sorgen dafür, dass die Prostaglandinproduktion gehemmt wird. Dadurch werden Entzündungen und Schmerzen gelindert. Bei Menschen mit einer Salicylatintoleranz werden zugleich verschiedene Zellen wie Mastzellen, Blutplättchen, Fresszellen und weiße Blutkörperchen aktiviert. Dadurch entwickeln sich diverse Symptome, die in ihrem Erscheinungsbild an eine Allergie erinnern.

Klassische Symptome und Krankheitserscheinungen

Klassischerweise äußert sich eine Salicylatintoleranz durch Symptome des Atemtrakts. Die Betroffenen leiden unter einer entzündeten Nasenschleimhaut und der Nasennebenhöhlen. Man spricht hier auch von einer Rhinosinusitis. Typische Symptome sind:

  • Niesen
  • Juckreiz
  • Nasenverstopfung durch dickflüssiges Sekret
  • Fließschnupfen
  • Kopfschmerzen

Auch Nasenpolypen können die Folge einer Salicylatunverträglichkeit sein. Die gutartigen Gewebewucherungen der Nasenschleimhaut bilden sich in den Nasennebenhöhlen und wachsen von dort auch in die Haupthöhle der Nase ein. Je nach Ausmaß der Polypen klagen die Patienten über eine eingeschränkte Atmung. Bei einer schweren Unverträglichkeit kann sich auch ein Asthma bronchiale entwickeln. Diese chronisch-entzündliche Atemwegserkrankung ist durch eine anfallsweise Atemnot gekennzeichnet. Bei einem Asthmaanfall kommt es zu einer starken Atemnot mit erschwerter Ausatmung und pfeifenden Atemgeräuschen. Auch Husten ist ein typisches Symptom. Aufgrund der Luftnot entwickeln die Betroffenen Ängste und wirken sehr unruhig. Außerhalb der Anfälle sind sie jedoch beschwerdefrei.

Die Symptome der Salicylatunverträglichkeit beschränken sich aber nicht allein auf den Respirationstrakt (Atemtrakt). Die Haut und das Verdauungssystem können ebenfalls betroffen sein. Einige Patienten mit einer Salicylatintoleranz entwickeln zum Beispiel eine chronische Urtikaria. Diese äußert sich durch einen Hautausschlag mit starkem Juckreiz und Quaddelbildung. Die Hauterscheinungen können klein und lokal begrenzt auftreten oder ganze Körperregionen umfassen. Auch chronischer Durchfall oder eine Entzündung des Dickdarms (Kolitis) können infolge der Unverträglichkeit auftreten.

Die Diagnosestellung bei Verdacht auf Salicylatintoleranz

Bei der Diagnosestellung kommt dem Gespräch mit dem Arzt, der sogenannten Anamnese, eine besondere Bedeutung zu. Die Symptome der Intoleranz sind eher unspezifisch und können auf verschiedene Erkrankungen hinweisen. Erst die Verbindung zwischen dem Kontakt mit den Salicylaten und den Beschwerden lässt eine Salicylatintoleranz vermuten. Bei akut einsetzenden Reaktionen auf die unverträgliche Substanz können Expositions- beziehungsweise Provokationstests durchgeführt werden. Hier kann der Arzt durch die Gabe von Salicylaten eine Urtikaria oder einen Asthmaanfall provozieren.

Manifestiert sich die Salicylatintoleranz hingegen in Form von Polypen oder anderen langfristigen Entwicklungen, kann das Krankheitsbild durch Provokations- oder Expositionstests nicht richtig abgebildet werden. In Ergänzung können feingewebliche Biopsieuntersuchungen durchgeführt werden. Es handelt sich hierbei um eine invasive Maßnahme, die mit verschiedenen Risiken verbunden ist. Zur genauen Diagnose des Ausmaßes der Salicylatintoleranz können bildgebende Verfahren wie die Computertomografie oder das Röntgen hilfreich sein. Hier lassen sich unter anderem Polypen darstellen. Auch eine Lungenfunktionsprüfung zur Feststellung eines Verschlusses der Atemwege durch die Salicylatunverträglichkeit kann in Einzelfällen ebenso wie eine Endoskopie sinnvoll sein.

Die Behandlung der Salicylatintoleranz

Die beste Therapie der Unverträglichkeit ist der komplette Verzicht auf salicylathaltige Medikamente, Lebensmittel und Kosmetika. Insbesondere Medikamente aus der Gruppe der COX-1-Hemmer sollten Betroffene meiden. Dazu gehören hauptsächlich nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure oder Arylpropionsäurederivate. Bekannte Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen. Ausweichmittel wie Paracetamol können allerdings in sehr hoher Dosierung ähnliche Beschwerden hervorrufen.

Gewürze, Küchenkräuter, Datteln, Beeren, Schwarztee, Pfefferminztee, Ananas, Salatgurken und Orangen sind besonders salicylhaltige Lebensmittel. Oft befindet sich in der Schale das meiste Salicylat. Bei einer leichten Intoleranz kann es also ausreichend sein, das entsprechende Obst oder Gemüse zu schälen. Durch Kochen oder Einlegen verringert sich der Salicylatanteil ebenfalls deutlich. Allerdings ist zu beachten, dass durch solche Zubereitungsmethoden auch wertvolle Mineralstoffe und Vitamine verloren gehen. Bestimmte Zahnpasten, Mundspülungen, Shampoos und Lotionen können ebenfalls Salicylate enthalten und sollten deshalb gemieden werden. Es ist allerdings kaum möglich, komplett auf Salicylate zu verzichten. Eine Einschränkung des Salicylatkonsums kann jedoch in vielen Fällen zur Behandlung und Linderung der Symptome ausreichen.

Bei schweren Unverträglichkeitsreaktionen kann eine vorübergehende Therapie mit Kortison indiziert werden. Diese Kortikosteroide können systemisch in Form von Infusionen oder Tabletten, oder lokal als Creme eingesetzt werden.

Eine weitere Behandlungsalternative ist die Desensibilisierung. Hier erhalten die Patienten Acetylsalicylsäure in steigenden Dosierungen. Es gibt zwar keine verbindlichen Therapieschemata, üblich ist jedoch eine Eingangsdosis von fünf Milligramm mit späterer Steigerung auf bis zu 300 Milligramm. Diese Dosis nehmen Betroffene einmal am Tag über einen längeren Zeitraum hinweg ein. In der Steigerungsphase kann es jedoch zu verschiedenen unerwünschten Reaktionen kommen, sodass die Behandlung zunächst stationär in einem Krankenhaus erfolgen muss. Eine Toleranz von Salicylaten sollte sich innerhalb weniger Tage bis Wochen einstellen. Wenn die Einnahme der Salicylate beendet wird, bleibt der positive Effekt bis zu zwei Wochen erhalten. Längere Pausen erfordern einen Neubeginn der Desensibilisierung.