Die Milcheiweißallergie, auch Kuhmilchallergie genannt, ist eine vor allem bei Kleinkindern verbreitet auftretende Nahrungsmittelallergie – etwa zwei bis drei Prozent aller Säuglinge und Kinder in Deutschland leiden an ihr. Bei Erwachsenen ist die Prävalenz deutlich geringer. Oftmals erkennen Ärzte und Eltern die Allergie aufgrund der unspezifischen Symptome nicht. Eine unentdeckte Milcheiweißallergie kann beim betroffenen Kind unangenehme Beschwerden verursachen und zu Spätfolgen führen.

Die Kuhmilchallergie ist nicht zu verwechseln mit der häufiger verbreiteten Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz). Bei der Laktoseintoleranz fehlt ein Enzym zur Verarbeitung des Milchzuckers während bei der Milcheiweißallergie eine Überreaktion des Immunsystems ausgelöst wird.

 

Wie entsteht eine Milcheiweißallergie?

In vielen Fällen wird eine Milcheiweißallergie durch genetische Disposition begünstigt. Häufig haben betroffene Kinder Eltern, die ebenfalls Allergiker sind. Neben der genetischen Veranlagung spielen weitere Faktoren eine Rolle. Das noch nicht ausgereifte Immun- und Verdauungssystem von Kleinkindern sowie fehlende Enzyme zur Verarbeitung tierischer Eiweiße tragen zur Entstehung der Milcheiweißallergie bei. Da die Darmschleimhaut bei Kleinkindern noch stark durchlässig ist, können nicht gespaltene Eiweiße ins Blut gelangen und dadurch eine Allergie begünstigen. Je früher also ein Säugling mit Kuhmilch in Berührung kommt, desto größer ist das Risiko, an einer Milcheiweißallergie zu erkranken.

Experten vermuten noch weitere Faktoren, die eine Kuhmilchallergie bei Kindern fördern. Dazu gehören zum Beispiel Geburten durch Kaiserschnitt und Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben.

Rund 90 Prozent aller von einer Milcheiweißallergie betroffenen Kinder entwickeln allerdings bis zum Schulalter eine Toleranz – die Allergie verschwindet also ohne weitere therapeutische Maßnahmen.

 

Welche Formen der Milcheiweißallergie gibt es?

In der Kuhmilch sind verschiedene Eiweiße enthalten, die allergische Reaktionen auslösen können. Die für die meisten Milcheiweißallergien verantwortlichen Bestandteile sind das Kasein und die zwei Molkeneiweiße Alpha-Laktalbumin und Beta-Laktoglobulin. In der Medizin wird demnach zwischen den Kaseinallergikern und den Molkeneiweißallergikern unterschieden. In vielen Fällen reagieren Allergiker jedoch auf beide Bestandteile.

Betroffene, die ausschließlich gegen die Molkeneiweiße allergisch sind, vertragen oft erhitzte Milchprodukte wie H-Milch besser, da die Molkeneiweiße nicht hitzestabil sind. Zudem können Molkeneiweißallergiker häufig alternativ Ziegen- oder Schafsmilch beschwerdefrei zu sich nehmen. Anders sieht es bei reinen Kaseinallergikern aus: Kaseine sind hitzestabil, weshalb Betroffene meist gänzlich auf Milchprodukte verzichten müssen.

 

Welche Symptome treten bei einer Milcheiweißallergie auf?

Die Symptome sind in der Regel unspezifisch und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. In einigen Fällen genügt bereits ein einziger Tropfen Milch, um allergische Reaktionen hervorzurufen. Die Beschwerden können unmittelbar nach dem Milchkonsum oder aber bis zu mehreren Tagen nach dem Konsum einsetzen – abhängig davon, ob es sich um eine Typ-1- oder eine Typ-4-Allergie handelt. Bei letzterer wird die allergische Reaktion nicht durch die Antikörper, sondern durch andere Immunmechanismen vermittelt.

Bei einer Milcheiweißallergie betreffen die Beschwerden häufig die Haut. Es können chronischer Juckreiz, Hautekzeme, Gesichtsschwellungen, Nesselsucht und Neurodermitis auftreten. Weitere typische Symptome sind:

  • Blähungen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • blutiger Stuhl

In einigen Fällen können auch die Atemwege betroffen sein, sodass es zu Husten oder Asthma kommt. Mitunter leiden Betroffene an Ermüdungserscheinungen, Schlafstörungen und Depressionen. In seltenen und schweren Fällen kann auch ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock auftreten. Die Symptome einer Milcheiweißallergie sind denen einer Milchzuckerunverträglichkeit sehr ähnlich, weshalb die beiden Erkrankungen oft verwechselt werden.

Wie wird die Milcheiweißallergie diagnostiziert?

Der Arzt wird zunächst immer eine Anamnese durchführen, also eine systematische Befragung zum Krankheitsverlauf. So kann er unter anderem prüfen, ob eine genetische Disposition besteht. Der Arzt wird Sie zunächst bitten, ein Ernährungstagebuch zu führen. Wenn sich der Verdacht auf eine Milcheiweißallergie bestätigt, wird eine sogenannte Eliminationsdiät veranlasst. Das heißt, dass zwei bis vier Wochen lang auf Kuhmilch verzichtet werden muss. Wenn die Beschwerden während der Diät verschwinden, liegt wahrscheinlich eine Kuhmilchallergie vor. Am Ende der Diät kann der Arzt einen Provokationstest durchführen. Bei diesem Test wird ein Tropfen Milcheiweißlösung auf den Unterarm aufgebracht. Anschließend wird die Haut an dieser Stelle leicht eingeritzt. Nach einigen Minuten reagiert die Haut von Milcheiweißallergikern mit Rötungen, Schwellungen oder Bläschen. In einigen Fällen kann der Arzt zusätzlich Blutuntersuchungen oder bei Erwachsenen eine Darmspiegelung vornehmen, um andere ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Milcheiweißallergie?

Die Milcheiweißallergie ist nicht heilbar, kann jedoch sehr gut behandelt werden. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser wirkt die Therapie und desto weniger Folgeschäden treten in der Regel auf. Die Therapie besteht in erster Linie aus einem strengen Verzicht auf Milch und Milchprodukte. Einige Allergiker können auf alternative Milcharten wie Ziegen-, Schafs-, Reis- oder Sojamilch ausweichen. Kleinkinder können kuhmilchfreie Ersatznahrung bekommen. Sie sollten die Ersatznahrung in einer Apotheke und nicht in der Drogerie kaufen, denn die Nahrung muss vollkommen frei von Kuhmilchbestandteilen sein.

Bei einem vollständigen Verzicht auf Milch sollte darauf geachtet werden, dass Kalzium, Magnesium und Vitamin D anderweitig aufgenommen werden. Für Betroffene, bei denen kein Verzicht auf Kuhmilch möglich ist, kommt eine medikamentöse Behandlung in Frage. Am häufigsten werden Antihistaminika und kortisonhaltige Medikamente verschrieben. Allerdings haben die Medikamente Nebenwirkungen und sind eher für den akuten Notfall zur schnellen Linderung der Symptome gedacht als für eine langfristig angelegte Therapie.