Die Histaminunverträglichkeit (HIT) ist noch relativ unbekannt, doch sie betrifft immer mehr Menschen. Experten schätzen, dass in Deutschland etwa ein Prozent der Bevölkerung unter Histaminintoleranz leidet. Frauen zwischen 35 und 45 Jahren scheinen am häufigsten davon betroffen zu sein.

Was ist eine Histaminintoleranz?

Die Histaminintoleranz (Histaminose) ist eine Unverträglichkeit von Histamin, einer natürlichen Substanz im menschlichen Organismus, in Pflanzen, Tieren und Bakterien. Histamin gehört zu den Gewebshormonen und befindet sich fast überall im menschlichen Körper. Auch Nahrungsmittel enthalten Histamin. Bei Menschen mit Histaminintoleranz kann das durch Lebensmittel aufgenommene Histamin nicht schnell genug im Körper abgebaut werden. Der Grund dafür ist eine verminderte Menge bzw. Aktivität eines Enzyms namens Diaminooxidase, das für den Abbau des Histamins zuständig ist. Das Histamin reichert sich dadurch im Körper an. Wenn eine gewisse Konzentration an Histamin überschritten ist, kommt es zu Beschwerden. Der Grenzwert dieser Konzentration ist individuell. Die Symptome treten also in der Regel nicht nach dem Verzehr eines einzigen histaminhaltigen Nahrungsmittels auf, sondern erst, nachdem sich eine bestimmte Histaminmenge im Körper angereichert hat.

Wie entsteht eine Histaminintoleranz?

Die genauen Ursachen der Histaminintoleranz sind noch nicht geklärt. In den meisten Fällen wird die Histaminose im Laufe des Lebens erworben. Nur in wenigen Fällen ist die Unverträglichkeit angeboren. Vermutlich sind mehrere Faktoren dafür verantwortlich, dass das Enzym Diaminooxidase nur in unzureichender Menge bzw. mit reduzierter Aktivität vorhanden ist. Andere Erkrankungen wie Morbus Crohn, Glutenunverträglichkeit, Nesselsucht, Nierenversagen oder Leberzirrhose können hier beispielsweise Auslöser sein. Darüber hinaus können Medikamente den Abbau von Histamin im Körper beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise Röntgenkontrastmittel, Schmerzmittel wie Aspirin, Antibiotika, Medikamente gegen Bluthochdruck oder schleimlösende Mittel. Weitere Faktoren, die eine Histaminose begünstigen, sind eine histaminreiche Ernährung, Stress und Alkohol zu den Mahlzeiten.

In welchen Lebensmitteln steckt Histamin?

Generell ist Histamin Bestandteil vieler Lebensmittel und Getränke. Durch Gärung, Reifung, Verarbeitung und Lagerung kann dessen Gehalt aber deutlich schwanken. Während frischer Fisch histaminarm ist, weist ein wenig gekühlter und zwei Tage alter Fisch bereits hohe Werte auf. Der konkrete Gehalt in Lebensmitteln ist demnach nicht bestimmbar. Als histaminreiche Lebensmittel gelten zum Beispiel Rotwein, Sauerkraut, Wurst (vor allem Salami und Schinken), lange lagernder Fisch, reifer Käse, Sojaprodukte, Spinat, Nüsse und Fertiggerichte. Es gibt Lebensmittel, die kein Histamin enthalten, jedoch die körpereigene Produktion anregen können. Dazu gehören beispielsweise Schokolade und Erdbeeren.

Welche Symptome treten bei einer Histaminintoleranz auf?

Da die Symptome einer Histaminunverträglichkeit unspezifisch, vielfältig und oft nicht einzuordnen sind, liegt meistens viel Zeit zwischen dem Auftreten erster Beschwerden und einer Diagnose durch den Arzt. Typische Beschwerden sind beispielsweise:

  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Blähungen
  • Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Juckreiz
  • Rötungen der Haut
  • Ausschlag

Darüber hinaus können weitere Symptome wie Kreislaufprobleme, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schwindel, Atemnot, Schlafstörungen oder Schweißausbrüche auftreten. Die Beschwerden sind schwer einzuordnen und können vielen weiteren Erkrankungen zugeordnet werden. Es ist deshalb immer ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Wie wird eine Histaminintoleranz diagnostiziert?

Vor dem Besuch beim Arzt empfiehlt es sich, ein Ernährungstagebuch über einen Zeitraum von mehreren Wochen zu führen. Das Tagebuch muss die verzehrten Nahrungsmittel sowie die Art und Ausprägung der Beschwerden enthalten, die dem Arzt wichtige Anhaltspunkte liefern. Mit allgemeinen körperlichen Untersuchungen kann der Arzt andere Krankheiten und Allergien ausschließen. Bei Verdacht auf Histaminintoleranz bieten spezielle Tests mehr Sicherheit in der Diagnose. So geben Blut- und Urinuntersuchungen Aufschluss über die Aktivität des Enzyms Diaminooxidase, über die Histaminkonzentration oder andere Werte wie Vitamin C oder B6, die am Abbau des Stoffes im Körper beteiligt sind. Da diese Tests jedoch ungenau sind, ist eine mittelfristige Ernährungsumstellung oft aufschlussreicher.

Der Test besteht aus drei Phasen. Während der Karenzphase sollte die Ernährung möglichst histaminfrei bzw. -arm sein. In der zweiten Phase, der Testphase, wird die Aufnahme von Histamin nach und nach gesteigert. Dabei wird in der Regel erkennbar, bei welchen Lebensmitteln welche Beschwerden auftreten und ab welchem Grenzwert der Histaminkonzentration Symptome ausgelöst werden. Die dritte Phase, die Dauerphase, hat das Ziel, die Ernährung langfristig umzustellen, sodass der Betroffene einen individuellen, histaminarmen Ernährungsplan erhält. Nach der Ernährungsumstellung mit einhergehender Symptomfreiheit kann der Arzt noch einen sogenannten Provokationstest durchführen. Hierbei werden dem Betroffenen unter ärztlicher Aufsicht in regelmäßigen Abständen ansteigende Histaminkonzentrationen verabreicht. So lässt sich der individuelle Toleranzwert noch genauer feststellen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Histaminintoleranz?

Die Therapie der Histaminintoleranz richtet sich danach, welche Ursachen der Unverträglichkeit zugrunde liegen. Sind andere Erkrankungen oder Medikamente der Auslöser für die Histaminose, müssen die Erkrankungen behandelt bzw. die Medikamente abgesetzt oder gewechselt werden. Die wichtigste Behandlung der Histaminintoleranz liegt in einer langfristigen Ernährungsumstellung, also dem Verzicht bzw. der Reduktion histaminhaltiger Nahrungsmittel. Wenn Betroffene nicht in jeder Situation (zum Beispiel auf Reisen) die Ernährungsumstellung realisieren können, helfen Antihistaminika. Diese Allergie-Medikamente schwächen die Wirkung des Histamins im Körper ab, sodass die Beschwerden gelindert werden. Die Histaminintoleranz ist zwar nicht heilbar, dennoch kann mit einer entsprechenden Ernährungsumstellung ein (fast) beschwerdefreies Leben geführt werden.