Wenn der Körper auf den Verzehr von Getreideprodukten mit Bauchkrämpfen und Verdauungsbeschwerden reagiert, gehen Betroffene häufig von einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) aus. Sie ahnen nicht, dass als weitere mögliche Ursache auch die verhältnismäßig selten auftretende Getreideallergie in Frage kommt. Glücklicherweise lassen die Symptome der Allergie ab dem Grundschulalter meist nach; zudem lässt sie sich durch bewusste Ernährung im Alltag gut in den Griff bekommen.

 

Getreide

 

Getreideallergie: Auslöser und Symptome

Bei der Getreideallergie handelt es sich um eine spezielle Form einer Lebensmittelallergie. Bei der Aufnahme getreidehaltiger Lebensmittel kommt es zu einer Reaktion auf die enthaltenen Allergene, genauer: auf Eiweißbestandteile im Getreide, darunter auch Gluten. Der Körper bildet spezifische Immunglobulin-E-Antikörper oder T-Lymphozyten, die sich, anders als bei einer Zöliakie, nicht gegen körpereigenes Gewebe, sondern gegen die Allergene richten. In Europa ist die Weizenallergie am weitesten verbreitet, während in den USA viele Menschen an einer Maisallergie leiden. In China wiederum sind Reisallergien besonders häufig.

Im Falle einer Mehlstauballergie genügt bereits die Inhalation von Mehlstaub, um einen allergischenAsthma-Anfall hervorzurufen. Man spricht in diesem Zusammenhang von Bäcker-Asthma, da in dieser Berufsgruppe tatsächlich ein erhöhtes Risiko der Sensibilisierung durch häufiges Einatmen von Getreidebestandteilen besteht. Allerdings müssen Mehlasthmatiker nicht zwangsläufig auch auf den Verzehr von Getreide allergisch reagieren. Da Weizen zu den Gräsern zählt, bestehen bei Gräserpollenallergienhäufig Kreuzreaktionen mit Weizen in der Nahrung.

Symptome einer Getreideallergie

Zu den Symptomen einer Getreideallergie gehören neben den Beschwerden des Magen-Darm-Trakts oft auch eine verstopfte Nase sowie juckende und tränende Augen. Atemwegsbeschwerden treten in Form von Husten und Atemgeräuschen bis hin zur Atemnot auf. Auf der Haut macht sich die Allergie als juckender Ausschlag mit roten Flecken bemerkbar. Häufig kommt es auch zu Schwellungen im Bereich des Gesichts sowie – wenn der Betroffene ein Produkt mit Getreidebestandteilen verzehrt hat – zu Schwellungen und Reizungen in Mund und Rachen. In der stärksten Ausprägung erleidet der Allergiker einenanaphylaktischen Schock. Ein starker Blutdruckabfall verringert dabei die Durchblutung lebenswichtiger Organe, so dass es im schlimmsten Fall zu einem Herzstillstand kommen kann.

Eine Getreideallergie diagnostizieren

Der Ausgangspunkt für die Diagnosestellung ist immer eine ausführliche Anamnese, bei der ein Arzt den Patienten zu den Symptomen befragt. Oft ergeben sich aus der Erinnerung an bestimmte Situationen, in denen die Beschwerden auftraten, Hinweise auf die verantwortlichen Allergene. Sofern eine solche Beziehung zwischen Situation und Allergen nicht hergestellt werden kann, empfiehlt es sich, einNahrungsmittelsymptom-Tagebuch über zwei bis vier Wochen zu führen. Indem der Patient alle verzehrten Nahrungsmittel auflistet, lassen sich mögliche Ursachen eingrenzen und sinnvolle Maßnahmen für die Folgebehandlung auswählen.

Im nächsten Schritt muss getestet werden, ob die Vermutungen des Arztes zutreffen. Zur Anwendung kommen hier Haut- und Bluttests auf IgE-Antikörper. Bei einem positiven Hauttest reagiert die Haut auf bestimmte Getreide-Extrakte, die direkt auf bestimmte Stellen aufgetragen werden, mit Rötungen oder Schwellungen. Da jedoch keine hundertprozentige Sicherheit besteht, sollte anschließend ein Bluttest durchgeführt werden, um das Ergebnis zu validieren.

Eine weitere Möglichkeit ist es, den Organismus direkt mit den vermeintlichen Allergenen zu konfrontieren. Bei einem sogenannten Provokationstest werden gezielt Getreideprodukte verzehrt, um eine allergische Reaktion auszulösen. Wichtig ist dabei die kontinuierliche Steigerung der Dosis hin zu einer potenziell allergieauslösenden Menge, um eine Überreaktion zu vermeiden. Umgekehrt deuten der Verzicht des verdächtigten Nahrungsmittels und eine anschließende Besserung des Gesundheitszustands ebenfalls auf eine Allergie hin; man spricht von einer Eliminations-Diät.

 

Cornflakes

 

Therapie einer Getreideallergie: Auf die Ernährung kommt es an

Eine sogenannte oligoallergene Diät – also der Verzicht auf sämtliche Lebensmittel, die als Auslöser in Frage kommen – kann als Sofortmaßnahme zur Besserung des Gesundheitszustands angewandt werden. Wurden die auslösenden Getreideprodukte identifiziert, können Betroffene ihren Speiseplan wieder erweitern. Da sich die Getreideallergie in vielen Fällen auf Weizen und verwandte Getreidesorten beschränkt, müssen nur die wenigsten Patienten vollständig auf Getreide verzichten. Wie weit die Einschränkungen reichen, ist von der individuellen Ausprägung der Allergie abhängig.

Vorsicht geboten ist vor allem beim Verzehr von Kamut, Einkorn, Emmer und Dinkel. Buchweizen hingegen können die meisten Allergiker, anders als der Name zunächst vermuten lässt, problemlos zu sich nehmen. Weitere mögliche Alternativen zu Weizenprodukten sind unter anderem Mais, Reis, Hafer, Roggen, Gerste, Hirse, Amaranth, Tapioka und Quinoa. Gemäß der Kennzeichnungsverordnung von Lebensmitteln müssen glutenhaltige Getreidesorten auf Verpackungen grundsätzlich als Inhaltsstoffe angegeben werden. Getreideallergiker sollten allerdings bedenken, dass auch glutenfreie Spezialprodukte Weizenstärke enthalten können. Ein Ernährungsberater kann dabei helfen, bestimmte weizenhaltige Nahrungsmittel zu identifizieren und eine ausgewogene Ernährungsweise in den Alltag zu integrieren, bei der Patienten ganz genau auf die Zufuhr der speziell in Weizen enthaltenen Nährstoffe achten.

Patienten mit einer besonders stark ausgeprägten Getreideallergie sollten stets ein Notfall-Set mit sich führen, um im Falle eines versehentlichen Getreideverzehrs einer drohenden Anaphylaxieentgegenzuwirken. Solche Sets können unter anderem dem Entzündungsbotenstoff Histamin entgegenwirkende Antihistaminika, Kortisonpräparate, ein Asthma-Spray sowie einen Adrenalin-Autoinjektor enthalten. Bei letzterem handelt es sich um eine Fertigspritze, die in den Oberschenkelmuskel injiziert wird, um den Kreislauf zu stabilisieren und die Bronchien zu erweitern.