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Fruktoseunverträglichkeit

Die Fruktoseintoleranz (FI) betrifft vermutlich bis zu 30 Prozent der Menschen in Deutschland. Die Tendenz ist steigend, denn Fruchtzucker ist zunehmend in der Nahrung enthalten. Die Fruktose, die eigentlich ein natürlicher Zucker ist, wird immer häufiger industriell gewonnen und findet sich inzwischen als Süßstoff in fast allen Fertigprodukten und Softdrinks. Erst dann, wenn er raffiniert wird, handelt es sich um Industriezucker.

Was ist eine Fruktoseintoleranz?

Unter Fruktoseintoleranz (auch: Fruktosemalabsorption) wird die Unverträglichkeit von Fruchtzucker (Fruktose) verstanden. Fruktose ist ein natürlich vorkommender Einfachzucker, der zu den Kohlenhydraten gehört. Menschen mit Fruktoseunverträglichkeit können den Fruchtzucker nicht richtig verdauen, was zu Beschwerden führt. Die Fruktose wird vom Dünndarm nicht an das Blut abgegeben und gelangt in den Dickdarm, wo sie durch Bakterien zersetzt wird. Dadurch bilden sich Gase wie Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan sowie kurzkettige Fettsäuren. Die Gase können unangenehme Beschwerden verursachen. Eine Fruktoseintoleranz liegt vor, wenn weniger als 25 Gramm Fruktose beschwerdefrei aufgenommen werden können.

In welchen Lebensmitteln steckt Fruktose?

Fruchtzucker kommt in sehr vielen Nahrungsmitteln vor. Besonders reich an Fruktose sind Honig, Obst und viele Gemüsesorten. Aber auch in diversen anderen Lebensmitteln kann eine beachtliche Menge Fruchtzucker stecken. Dazu gehören zum Beispiel:

  • paniertes Fleisch und panierter Fisch
  • Milchprodukte mit Fruchtaroma
  • Gewürze mit Zucker
  • Kuchen
  • Süßigkeiten wie Schokolade
  • Pudding
  • Eis
  • Marmelade
  • Ketchup und Mayonnaise
  • Fertigprodukte
  • Konserven

Darüber hinaus gibt es unzählige Getränke, die Fruktose enthalten, also beispielsweise Fruchtsäfte, Cola, Limonade, Wein, Sekt und Bier. Ein großes Problem ist, dass der konkrete Fruchtzuckergehalt eines Lebensmittels für den Verbraucher oft nicht erkennbar ist. Fruktosesirup aus Maisstärke und Glukose-Fruktose-Sirup sind zunehmend in eigentlich fruchtlosen Produkten versteckt.

Wie entsteht die Fruktoseintoleranz?

Die Fruktoseintoleranz kann sowohl erblich bedingt als auch erworben sein. Die angeborene (hereditäre) Fruktoseintoleranz (HFI) ist sehr selten. Sie betrifft nur einen von 20.000 Säuglingen. Bei diesem liegt von Geburt an ein Mangel des Enzyms Aldolase B vor, welches Energie aus dem Fruchtzucker gewinnt und beim Fruktoseabbau hilft. Der genetische Defekt verursacht eine Ansammlung von toxischen Stoffwechselprodukten in der Leber und in den Nieren. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Leberversagen kommen. Da Kleinkinder mit einer angeborenen Fruktoseintoleranz häufig eine Abneigung gegen Süßes entwickeln, wird die Erkrankung nicht selten erst im Erwachsenenalter entdeckt.

Die erworbene (intestinale) Fruktoseintoleranz kommt deutlich häufiger vor und kann verschiedene Ursachen haben. Als Auslöser für eine erworbene Fruchtzuckerunverträglichkeit gelten Medikamente (vor allem Antibiotika), Pilzinfektionen (Candida-Pilze), eine lang anhaltende ungesunde Ernährungsweise sowie dauerhafter Stress. All diese Faktoren können die Darmschleimhaut schädigen.

Welche Symptome treten bei einer Fruktoseintoleranz auf?

Typische Symptome bei Fruchtzuckerunverträglichkeit sind Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfall und Verstopfung. Es können weitere unspezifische Beschwerden auftreten. Zu diesen gehören zum Beispiel:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Depressionen

Da die Symptome unspezifisch sind, bemerken Betroffene und auch Ärzte oft jahrelang die Unverträglichkeit nicht. Eine nicht behandelte Fruktoseintoleranz kann zur Entstehung weiterer Intoleranzen wie Laktose- oder Histaminintoleranz führen.

Wie wird die Fruktoseintoleranz festgestellt?

Der Arzt befragt den Patienten zunächst zum aktuellen Krankheitsverlauf sowie zu Vorerkrankungen (Anamnese). Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch kann, wie bei anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die Diagnose des Arztes unterstützen. Nach allgemeinen Untersuchungen (Bauch abtasten, Darmgeräusche überprüfen) hilft eine Blutabnahme dabei, eine angeborene Fruktoseintoleranz und andere Krankheiten auszuschließen.

Bei Verdacht auf eine erworbene Fruchtzuckerunverträglichkeit wird ein Fruktoseintoleranz-Test (Wasserstoff-Atemtest) durchgeführt. Dazu trinkt der Patient eine Fruktoselösung auf nüchternen Magen und pustet in ein Messgerät, das die Wasserstoffkonzentration in der Atemluft misst. Es folgen weitere Messungen in regelmäßigen Abständen. Steigt der Wasserstoffgehalt über einen Normalwert und beginnen die ersten Beschwerden, liegt wahrscheinlich eine Fruchtzuckerunverträglichkeit vor.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Fruktoseintoleranz?

Eine Heilung der Fruktoseintoleranz ist nach heutigen Kenntnissen nicht möglich. Mit einer passenden Therapie können die Beschwerden jedoch deutlich gelindert oder sogar beseitigt werden. Die Behandlung besteht in erster Linie aus einer Ernährungsumstellung, die mit einem Ernährungsexperten besprochen wird. Bei der angeborenen Fruktoseintoleranz muss eine strenge Diät eingehalten werden, die aus einem vollständigen Verzicht auf fruktosehaltige Nahrungsmittel besteht. Patienten mit erworbener Fruktoseintoleranz müssen die Ernährung nicht ganz so radikal umstellen. Ein vollständiger Verzicht auf Fruchtzucker wäre nicht förderlich, da dies zu einem Nährstoffmangel führen kann und der Darm später nicht einmal mehr mit kleinsten Fruchtzuckermengen zurechtkommt.

In der ersten Phase der Behandlung wird auf fruktosehaltige Nahrung weitestgehend verzichtet. In der anschließenden Testphase darf der Betroffene wieder langsam Fruchtzucker zu sich nehmen. Die Aufnahme fruktosehaltiger Produkte wird nach und nach gesteigert. In einem Ernährungstagebuch werden Lebensmittel und damit verbundene Symptome notiert. So lässt sich die individuelle Toleranzschwelle des Patienten feststellen. Nun wird ein langfristiger Ernährungsplan mit dem Ernährungsberater ausgearbeitet. Eine unterstützende Maßnahme kann eine Darmsanierung sein, mit deren Hilfe die geschädigte Darmflora wiederaufgebaut wird.