Drei bis vier Prozent aller Menschen leiden im 21. Jahrhundert an Nahrungsmittelallergien. Bei jeder Lebensmittelallergie zeigt das Immunsystem Unverträglichkeitssymptome auf bestimmte Nahrungsbestandteile. Die Unverträglichkeit äußert sich vorwiegend in Hautsymptomen, kann aber auch lebensgefährliche Ausmaße annehmen. Eine seltene Form der Lebensmittelallergie ist die Fleischallergie, die zu den „neuen Allergien“ zählt. Bei dieser Form der Nahrungsmittelallergie richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen Bestandteile bestimmter Fleischsorten.

 

 

Nicht jede Fleischallergie ist eine Proteinallergie

Etwa ein Prozent aller Allergiker leidet zusätzlich zu einer bestehenden Allergie an allergischen Reaktionen auf Fleischproteine. Proteinallergien sind Überreaktionen, bei denen das Immunsystem körperfremde Eiweiße fälschlicherweise als Gefahr identifiziert und mit seiner persönlichen Waffe, den Antikörpern, angreift. Die allergischen Reaktionen beziehen sich in der Regel auf spezifische Fleischsorten wie Schwein, Rind, oder Wild. Obwohl die meisten Fleischallergiker auf Fleischproteine reagieren, entspricht nicht jede Fleischallergie einer Proteinallergie.

In Einzelfällen können Fleischallergien das Zuckermolekül Alpha-Gal zum allergieauslösenden Allergen haben. Dieser Kohlenhydratrest sitzt tierischen Zellen auf, wohingegen Primaten und Menschen nicht zur körpereigenen Produktion des Zuckerrests in der Lage sind. Das Immunsystem von Patienten mit Fleischallergie identifiziert den Fleischzucker als Gefahrenstoff und leitet daraufhin die Produktion von IgE-Antikörpern zur Gefahrenbekämpfung ein.

Bei klassischen Nahrungsmittelallergien gegen Lebensmittel wie Nüsse, Soja oder Eier spüren Patienten direkt oder kurz nach der Mahlzeit Symptome. Bei Krankheiten wie der Fleischallergie zeigen sich die Symptome meist erst zwischen drei und sechs Stunden nach dem Kontakt. Vermutlich erfolgt die Immunreaktion deshalb so spät, weil das Allergen während des Verdauungsprozesses erst “freigelegt” wird. Während Fleischproteinallergien weltweit vorkommen, wurden die meisten Fälle der Fleischzuckerallergie auf die südöstliche USA lokalisiert.

Primäre Ursache von Fleischallergien bleiben umstritten

Die meisten Patienten mit Fleischallergie leiden bis ins Erwachsenenalter nicht an allergischen Symptomen. Bei konventionellen Allergien und der Fleischproteinallergie forciert vermehrter Kontakt mit dem jeweiligen Allergen die immunologische Unverträglichkeit. Wodurch allerdings die Fleischzuckerallergie zum Ausbruch gelangt, bleibt bislang umstritten. Amerikanische Forscher des Bundesstaats Virginia gehen für diese Form der Allergie von einem anderen Erklärungsansatz aus.

In der Krankheitsgeschichte von bisher Betroffenen wollen die Forscher vermehrt Bisse durch die Amerikanische Zecke (Amblyomma americanum) beobachtet haben.
Die mittlerweile als ”Vegetarier-Zecke” betitelte Zeckenart halten viele Wissenschaftler deshalb für einen möglichen Anlass, der das Immunsystem zur vermehrten Bildung von IgE-Antikörpern bringen könnte.

Das Kohlenhydrat Alpha-Gal ist im Speichel der Amerikanischen Zecke vorhanden und könnte so die spezifische Immunreaktion gegen das Molekül erklären. Der genaue Mechanismus bleibt bislang ungeklärt. Möglicherweise können in Anbetracht der landesunabhängigen Erkrankungsfälle auch andere Insektenarten und Parasiten Fleischzuckerallergien zur Folge haben.

Reaktionen müssen nicht jede Fleischmahlzeit begleiten

Die Allergene der meisten Fleischallergien entsprechen tierischen Eiweißen. In vielen Fällen werden tierische Proteine als Allergiestoffe in gegartem Fleisch unwirksam. Allergische Reaktionen sind damit für Fleischallergiker oft nur bei Kontakt mit rohen Fleischprodukten oder nach dem Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch zu erwarten.

Wer eine Unverträglichkeit gegen spezifische Proteine von Rindfleisch entwickelt, müssen außerdem nicht gleich gegen andere Fleischsorten allergisch sein. Grundsätzlich kann sich eine Fleischeiweißallergie gegen jede Fleischsorte richten, wobei der Allergiker in den meisten Fällen wieder andere Fleischsorten ohne das Risiko immunologischer Reaktionen verträgt.

Fleischzuckerallergien sind anders als die Fleischproteinallergie auf Rind, Wild und Schwein begrenzt. Das Zuckermolekül Alpha-Gal ist in Geflügel sowie Fisch jeder Art nicht enthalten, sodass bei Geflügel- und Fischverzehr auch die allergischen Reaktionen ausbleiben.

Symptome von Fleischallergien sind vielseitig

Die Symptome von Lebensmittel- und Fleischallergien gleichen sich. Die Fleischproteinallergie ist im Vergleich zur Fleischzuckerallergie mit schwächeren Symptomen assoziiert, allerdings gilt für beide Formen wie für alle Krankheiten der individuelle und vom Allgemeinzustand des Allergikers abhängende Verlauf. Die ersten Symptome stellen sich bei beiden Formen der Fleischallergie meist nach Stunden ein. Bei der Fleischzuckerallergie treten die Beschwerden vermehrt in der Nacht auf. Einzelne Symptome fassen Ärzte auch als orales Allergiesyndrom zusammen, das die Gesundheit auf mehreren Ebenen beeinträchtigen kann. Zu den wichtigsten Symptomen zählen

  • Beschwerden des Magendarmtrakts wie Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen.
  • Hautsymptome wie Juckreiz, Entzündungsreaktionen, Ekzeme, Hautreizungen, Rötungen, Nesselsucht oder Urtikaria.
  • grippeähnliche Beschwerden wie laufende Nase, Dauerschnupfen, Fieber, Halskratzen oder allgemeine Abgeschlagenheit.
  • Schocksymptome wie Kreislaufversagen, Atemnot oder Lungenkollaps, die sich nur in Extremfällen einstellen und eher die Fleischzuckerallergie als die Fleischproteinallergie charakterisieren.

Menschen mit entsprechenden Symptomen im Kontext von Fleischkonsum suchen der Gesundheit zuliebe idealerweise einen Allergologen auf, der einen Allergietest durchführt. Normale Fleischallergien gegen Gänse-, Enten- und Hühner- sowie Hammel-, Puten-, Pferde-, Rind- oder Schweinefleisch lassen sich mittels Pricktest oder IgE Test bestimmen. Die Fleischzuckerallergie lässt sich wiederum erst seit der jüngsten Vergangenheit mittels Bestimmung der gegen Alpha-Gal gerichteten IgE erfassen.

Zur Behandlung vermeiden Fleischallergiker den Allergenkontakt

Stellt sich die Unverträglichkeit gegen eine oder mehrere Fleischarten heraus, gilt es, den Kontakt mit dem Allergen zu meiden. Falls trotz der Vermeidungsstrategie akute Symptome eintreten, nutzen die Patienten Antiallergika zur Unterdrückung oder Abschwächung der Beschwerden.

Hautreaktionen lässt sich mit cortisonhaltigen Salben begegnen. Durch den behandelnden Arzt zusammengestellt Notfallsets können Kreislaufsymptome oft unterdrücken und lebensgefährlichen Ausmaßen vorbeugen.