Etwa zehn Prozent der Deutschen sind von einer Tierhaarallergie betroffen – Frauen häufiger als Männer. Nach der Pollenallergie und der Hausstauballergie ist die Tierhaarallergie damit die dritthäufigste Allergie in Deutschland.

Was ist unter einer Tierhaarallergie zu verstehen?

Bei einer Tierhaarallergie werden bei Kontakt mit beispielsweise Hunden, Katzen, Meerschweinchen, Pferden oder Vögeln allergische Symptome ausgelöst. Hierbei ist die allergische Reaktion nicht – wie man aufgrund der Bezeichnung vermuten würde – auf die Haare der jeweiligen Tierart zurückzuführen. Vielmehr sind bestimmte proteinhaltige Bestandteile in Speichel, Talg, Schweiß, Hautschuppen oder Exkrementen (Kot und Urin) die Ursache. Diese als Allergene bezeichneten Substanzen können an den Haaren der Tiere haften und sich über diese auf dem Fell oder als Staub in der Luft verbreiten. Gelangen diese in die Schleimhäute von Nase, Augen oder Bronchien, werden bei Allergikern die allergietypischen Symptome ausgelöst.

Die Tierhaarallergie gehört mehrheitlich zur Typ-I-Reaktion, da sich die ersten Symptome direkt nach dem Allergenkontakt, spätestens aber ein paar Stunden später, zeigen. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Frühtyp. Daneben existiert mit der sogenannten exogen-allergischen Alveolitis ein Allergie-Sonderfall, bei dem sich die allergischen Symptome erst drei bis zwölf Stunden nach Allergenkontakt manifestieren. Eine Alveolitis beschreibt eine Lungenerkrankung, die in verschiedenen Formen auftreten kann. Hierbei reagieren die Alveolen (Lungenbläschen) im Rahmen einer Typ-III- (Immunkomplextyp) sowie Typ-IV-Reaktion (sogenannter Spättyp). Diese exogen-allergische Reaktion ist bei einigen Berufsgruppen gehäuft anzutreffen, weshalb man folglich auch von einer Vogelhalter-, Tierhändler- oder Laborantenlunge spricht. „Exogen“ bedeutet generell, dass sich Ursachen in einem äußeren System finden lassen.

Die Ursachen einer Tierhaarallergie

Wie bei jeder Allergie ist auch eine Tierhaarallergie auf eine Fehlregulation des Immunsystemszurückzuführen. Für den Körper an sich harmlose Substanzen (Allergene) – zumeist artfremde Proteine – führen zu einer überschießenden Immunreaktion. Diese nennt sich Hypersensitivitätsreaktion. Bei einer Tierhaarallergie sind dies zum Beispiel die tierischen Proteine aus Hautschuppen, Schweiß oder Talk der jeweiligen Tierart, die sich an das Haar oder Gefieder anhaften und sich über die Luft oder Bekleidung verbreiten. Die Allergene können entsprechend noch Monate nach dem Aufenthalt des betreffenden Tiers in einem Raum allergische Reaktionen auslösen. Die überschießende Immunantwort wird beim Frühtyp durch die Immunglobuline der Klasse E (IgE-Antikörper) vermittelt.

Bei vorliegender genetischer Veranlagung reagiert der Organismus mit einer besonders starken Bildung von IgE-Antikörpern, wodurch bei späteren Kontakten mit dem Allergen allergische Symptome bis hin zu einerAnaphylaxie ausgelöst werden können: Dies sind schwerste und durchaus lebensbedrohliche allergische Reaktionen. Warum der Körper mit dieser erhöhten Bildung von IgE-Antikörpern reagiert, ist bislang genauso ungeklärt wie die genauen Funktionsmechanismen der Immunglobuline der Klasse E selbst. Im weitesten Sinne wird auch die Vogelallergie zu den Tierhaarallergien gezählt, wenngleich die Allergene hier an den Federn haften und aus dem Gefieder oder Kot stammen. Bei dieser als exogen-allergischen Alveolitis bezeichneten Allergie kommt es bei genetisch vorbelasteten Menschen zu einer Hypersensitivitätsreaktion der Lunge nach der Inhalation von bestimmten eiweißhaltigen Komponenten in den Exkrementen von Vögeln oder sogar Nagetieren. Da diese bei bestimmten Berufsgruppen vermehrt auftritt, ist die exogen-allergische Alveolitis eine meldepflichtige Berufserkrankung.

Welche Tierarten lösen eine Tierhaarallergie aus?

Prinzipiell kann jede Tierart eine Tierhaarallergie auslösen. Charakteristische Auslöser einer Tierhaarallergie sind

  • Katzen,
  • Hunde,
  • Kaninchen und Meerschweinchen,
  • Pferde sowie
  • Vögel.

Katzen und Hunde sind hierbei die bedeutendsten Allergieauslöser. Katzenspezifische Allergene verfügen über sehr gute Schwebeeigenschaften und werden daher besonders stark von ihren Besitzern verbreitet. So finden sich Katzenallergene auch an Orten, an denen sich noch nie Katzen aufgehalten haben: öffentliche Verkehrsmittel, Schulen, Kindergärten oder andere öffentliche Gebäude sind dabei denkbar.Hundeallergene gelten dagegen als weniger aggressiv. Die Annahme allerdings, dass kurzhaarige Hunderassen ein höheres Allergenpotenzial aufweisen, konnte anhand neuerer Untersuchungen nicht untermauert werden. Wenngleich in unterschiedlichen Mengen, konnten die Forscher bei allen Hunderassen das bedeutendste Allergen nachweisen.

Bei Katzen hingegen kann sich eine Allergie in bestimmten Fällen auf einzelne Katzenrassen oder sogar individuelle Katzen beziehen, da die wichtigsten Allergene hier strukturell sehr unterschiedlich sind. Einige Menschen zeigen zudem auch allergische Reaktionen bei Kontakt mit Tierfellen, Vogelfedern in Federbetten oder Kamelhaarmänteln.

Welche Symptome treten bei einer Tierhaarallergie auf?

Charakteristische Symptome der Typ-I-Reaktion sind tränende und brennende Augen, Niesreiz, Husten sowie allergischer Schnupfen. Darüber hinaus zeigen sich Hautreaktionen wie Nesselsucht(Juckreiz mit Quaddelbildung) sowie Konzentrations- und Schlafstörungen. Bei ausgeprägten allergischen Reaktionen entwickelt sich nicht selten eine Art Asthma mit Atemnot. Die exogen-allergische Alveolitis ist durch Husten, Fieber, Schüttelfrost sowie Atembeschwerden gekennzeichnet. Insbesondere die exogen-allergische Alveolitis – aber auch eine Typ-I-Allergie – kann bei ausgeprägten Fällen lebensbedrohlich werden und muss dann notfallmedizinisch versorgt werden.

Wie wird eine Tierhaarallergie diagnostiziert?

Oftmals ergibt sich bereits im Anamnesegespräch der Verdacht auf das Vorliegen einer Tierhaarallergie. Die spezifischen Allergene können dann im Rahmen eines Allergietests bestimmt werden. So werden bei einer Typ-I-Allergie die verdächtigen Allergene als Extrakt auf die Haut des Unterarms aufgebracht und diese anschließend mit einer Lanzette angeritzt – hierbei handelt es sich um den sogenannten Prick-Test. Zeigen sich nach 15 bis 20 Minuten Hautrötungen, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Allergie vor. Absichern kann man die Diagnose mithilfe von Bluttests, bei welchen die spezifischen Antikörper gegen die jeweiligen Allergene im Blut nachgewiesen werden.

Prognose und Verlauf

Eine einmal erworbene Tierhaarallergie besteht in aller Regel lebenslang. Allergische Reaktionen, die sich im Verlauf mit jedem Allergenkontakt verschlimmern können, sind aber mit dem richtigen Verhalten vermeidbar. Bei anhaltendem Kontakt kann sich im weiteren Verlauf – bei Meerschweinchen sogar bereits innerhalb eines Jahres – ein allergisches Asthma bronchiale entwickeln: Auch diese chronische Erkrankung der Atemwege haben Patienten zumeist ein Leben lang.

Wie wird eine Tierhaarallergie therapiert?

Zur Vermeidung allergischer Symptome sollten die auslösenden Allergene, das heißt der Kontakt zu den betreffenden Tierarten, gemieden werden. Auch auf Einrichtungsgegenstände oder Kleidung aus Tierhaar sollte man idealerweise verzichten. Bei schwer verlaufenden Fällen kann eine Hyposensibilisierungbeziehungsweise Desensibilisierung infrage kommen, um lebensbedrohliche Zustände durch zufälligen Allergenkontakt zu vermeiden. Daneben existiert eine Reihe von Medikamenten, die die Symptome abmildern können. Wirksame Medikamente sind beispielsweise Antihistaminika (Cetirizin), Lösungen mit Glukokortikoiden (Kortison, Betamethason) sowie Adrenalin-Aerosolspray zum Inhalieren.