Allergische Atemwegsbeschwerden / Asthma

Laut statistischen Erhebungen des Global Asthma Network (GAN) litten 2014 etwa 334 Millionen Menschen weltweit an Asthma bronchiale, wobei die Tendenz als steigend angegeben wurde. Asthma bronchiale, umgangssprachlich einfach als Asthma bezeichnet, ist eine Erkrankung der Atemwege, die sich durchchronische Entzündungen mit Husten bis hin zur Atemnot äußert. Patienten erkranken häufig bereits im Kindesalter: Mindestens 70 Prozent der Erkrankungen brechen aus, bevor das fünfte Lebensjahr erreicht wurde. Um schweren Lungenschäden vorzubeugen, sind eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sehr wichtig.

Asthmatische Symptome und Schweregrade

Typische Asthma-Symptome können in ihrer Intensität stark variieren. Zu den drei Hauptsymptomen zählt unter anderem Hustenreiz, der vor allem bei betroffenen Kindern häufig auftritt. Die zwei weiteren, schwerwiegenderen Hauptsymptome sind Tachykardie (Herzrasen) sowie Atemnot, die vor allem beim Ausatmen auftritt und zuweilen ein hörbares, pfeifendes Geräusch mit sich bringt.

Letztere beiden Symptome sind auch charakteristisch für einen akuten Asthmaanfall. Hinzukommen können als Folge des Anfalls weitere Symptome wie Erstickungsangst, Verwirrtheit, Rastlosigkeit oder Erschöpfung.

Ein Anfall in der extremsten Ausprägung wird als Status asthmaticus bezeichnet. Er dauert bis zu 24 Stunden an und stellt für den Patienten eine lebensbedrohliche Situation dar, die eine sofortige intensivmedizinische Behandlung erfordert. Bewusstseinsstörungen sowie eine Blaufärbung von Lippen oder Gliedmaßen, eine hohe Herzfrequenz bis hin zu Herzrhythmusstörungen sowie Inkontinenz sind einige der möglichen Begleiterscheinungen.

Um den generellen Schweregrad von Asthma auszudrücken, wird für gewöhnlich eine vierstufige Unterteilung vorgenommen, die von Stufe I (intermittierend) bis Stufe IV (schwergradig persistierend) reicht. Bei der geringsten Ausprägung treten weniger als einmal pro Woche tagsüber und maximal zweimal pro Monat nachts Symptome auf. Die stärkste Ausprägung ist durch eine anhaltende Symptomatik gekennzeichnet, die von hoher Intensität ist. Die Symptome treten in diesen Fällen häufig auch nachts auf und bringen starke Einschränkungen hinsichtlich der körperlichen Leistungsfähigkeit mit sich.

Krankheitsformen und Ursachen für Asthma

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen allergischem exogenem und nicht-allergischem endogenem Asthma. Allergisches exogenes Asthma, das in der Fachsprache auch als extrinsisch, also von außen angeregt, bezeichnet wird, wird durch Allergene ausgelöst. Die allergische Reaktion entspringt einer genetischen Veranlagung. Dieser Asthmaform steht nicht-allergisches endogenes oder auchintrinsisches, also von innen angeregtes Asthma, gegenüber. Anders als das allergische Asthma beginnt diese Asthma-Form häufig erst im höheren Alter. Zu den möglichen Auslösern zählen Infektionen der Atemwege, giftige oder reizende Stoffe, aber beispielsweise auch kalte Luft oder extreme körperliche Anstrengung. Häufig kommen auch Mischformen mit allergischem Anteil vor.

Asthma diagnostizieren

Wer die oben genannten Symptome bei sich entdeckt, sollte einen Arzt konsultieren, um eine Diagnose zu erhalten. Hat der Arzt die Vermutung, dass Asthma vorliegt, schließt sich der Anamnese eine körperliche Untersuchung an. Hierbei wird das Herz-Kreislauf-System zunächst einer generellen Überprüfung unterzogen und die Lunge abgehört. Im Rahmen eines umfangreichen Lungenfunktionstests, einer so genannten Spirometrie, werden die Menge der ausgeatmeten Luft sowie die Geschwindigkeit des Luftstroms gemessen. Eine gleichwertige Methode ist die Ganzkörper-Plethysmographie. Alternativ kann der Patient – auch ohne die Anwesenheit eines Arztes – ein Peak-Flow-Meter zur Überprüfung der Lungenfunktion nutzen.
Um die Diagnose zu sichern, kommen als Zusatzuntersuchungen unter anderem ein Belastungstest (häufig auf einem Laufband oder Fahrrad) sowie der Einsatz eines Asthmasprays infrage. Löst dieses eine kurzzeitige Besserung der Lungenfunktion aus, ist eine Erkrankung wahrscheinlich.

Um im Anschluss an die Diagnose eingrenzen zu können, ob es sich um die extrinsische oder die intrinsische Form handelt, werden Allergietests durchgeführt. In diesem Zusammenhang wird ein Blutbild erstellt, um die Erhöhung bestimmter allergiespezifischer Werte zu überprüfen. Zudem gibt es sogenannteProvokationstests, bei denen die Lunge gezielt gereizt wird. So kann zudem geprüft werden, auf welche potenziellen Allergene die Lunge reagiert. Aber auch Erfahrungsberichte der Patienten können Aufschluss darüber geben, welche Umweltreize die Asthma-Symptome auslösen beziehungsweise verstärken.

Therapiemöglichkeiten und Erfolgsaussichten

Erfreulich ist, dass die Krankheit bei jedem zweiten Kind nach der Pubertät wieder verschwindet. Im eigentlichen Sinne heilbar ist Asthma bislang allerdings nicht. Es bestehen jedoch therapeutische Möglichkeiten, um die Symptome deutlich zu reduzieren und den Alltag Betroffener soweit zu erleichtern, dass sie nahezu ebenso belastbar und leistungsfähig sind wie gesunde Menschen. Dabei werden zumeist medikamentöse und nichtmedikamentöse Ansätze kombiniert. Grundsätzlich wichtig ist eine ursachenorientierte Vorgehensweise. So sollten Betroffene, die an einem allergischen exogenen Asthma leiden, im ersten Schritt die Quellen der auslösenden Allergene soweit wie möglich beseitigen beziehungsweise meiden. Ist die Ursache für das Asthma teilweise in psychischer Belastung oder Traumata zu finden, so sollte eine Psychotherapie ins Auge gefasst werden.

Medikamente gegen asthmatische Beschwerden werden häufig durch Inhalatoren aufgenommen, die vielen Menschen vor allem im Zusammenhang mit akuten Asthmaanfällen bekannt sind. Die Einatmung des jeweiligen Wirkstoffs erfolgt hierbei entweder in Pulverform oder mithilfe eines Treibgases. Wirkstoffe, die bei einem akuten Asthmaanfall kurzfristig schnelle Linderung bringen, werden als Reliever bezeichnet. Sie kommen neben weiteren Maßnahmen wie Sauerstoffgabe und Überwachung von Herz-, Kreislauf- und Lungenfunktion auch beim Status asthmaticus zum Einsatz. Aber auch langzeitwirksame Medikamente, so genannte Controller, können inhaliert werden. Dies geschieht meistens im Rahmen eines fünfstufigen Plans, wie er von der Deutschen Atemwegsliga empfohlen wird. Je nach Schweregrad der Erkrankung kommen bei einer Prophylaxe und Langzeittherapie unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz.

 

Asthma Spray

 

Zudem gibt es auch nichtmedikamentöse Ansätze: Dazu zählen bestimmte Entspannungstechniken und spezielle Atemübungen. Bei übergewichtigen Patienten kann sich eine kontrollierte Gewichtsreduktion ebenfalls positiv auf den Gesundheitszustand auswirken. In einer 2011 veröffentlichten Studie belegten Forscher überdies auch die gesundheitsfördernde Wirkung eines Luftreinigers am Bett bei Patienten mit allergischem exogenem Asthma.