Allergien - Ursachen, Symptome, Diagnose & Behandlung

Allergie

[manuelleh1:Allgemeine Informationen über Allergien]
Bei Allergien reagiert unser Immunsystem auf die falschen Stoffe. Harmlose Substanzen wie Pollen werden als „feindlich“ eingestuft und mit allen Mitteln bekämpft. Dabei kommt es neben Heuschnupfen auch zu lästigen Allgemeinbeschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Jeder dritte erwachsene Deutsche leidet mittlerweile an einer Allergie. Auch bei Kindern nehmen allergische Erkrankungen immer mehr zu: Etwa 15% leiden an Heuschnupfen und 6% an allergischem Asthma.

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf körperfremde, aber eigentlich harmlose Stoffe wie Hausstaub oder Pollen. Die Folgen dieser überschießenden Immunreaktion sind vielfältig: Von Juckreiz, Schnupfen und Bindehautentzündungen reicht die Palette bis hin zu Halsschmerzen, Asthma, allgemeiner Abgeschlagenheit, Ekzemen oder auch Magen-Darm-Beschwerden.

Gegen Allergie-Symptome kann die Hyposensibilisierung helfen. Sowohl das Erkennen des Allergieauslösers (zurzeit etwa 20.000 bekannte Substanzen) als auch die Behandlung einer allergischen Erkrankung gestalten sich nicht immer ganz einfach. Dabei bringt die Hyposensibilisierung vor allem bei Insektengift- und Pollenallergien gute Erfolgsraten mit bis zu 80%. Auch an innovativen Medikamenten wird eifrig geforscht.

Definition: Was ist eine Allergie?

Allergien sind überschießende Abwehrreaktionen unseres Immunsystems auf eine Vielzahl im Grunde harmloser Umweltstoffe (Allergene). Bei einer Allergie richten sich die Abwehrkräfte nicht nur gegen Krankheitserreger, sondern auch gegen eigentlich harmlose Stoffe aus der Umwelt. Bislang kennt man mehr als 20.000 Substanzen, die eine allergische Reaktion auslösen können.

Allergiebeschwerden reichen von Schnupfen, Asthma und Ekzemen bis zu Magen-Darm-Störungen

Die unangenehmen Allergiebeschwerden sind die äußeren Anzeichen des Kampfes, den unsere Abwehrkräfte gegen die vermeintlichen Feinde führen. Allergien können sich auf ganz unterschiedliche Weise bemerkbar machen. So führen allergische Reaktionen im Bereich der Atemwege zu Schnupfen und Asthma, im Bereich der Augen oft zu einer Bindehautentzündung und an der Haut zu Ekzemen. Durchfall, Koliken, Juckreiz im Mund oder Magenkrämpfe können auf eine Nahrungsmittelallergie hinweisen. In seltenen Fällen kann sich eine Allergie zu einem allergischen Schock (anaphylaktischen Schock) ausweiten und durch Blutdruckabfall und Gefäßerweiterung zu einem Kreislaufzusammenbruch führen.

Vor der Allergie kommt die Sensibilisierung

Allergien treten oft scheinbar „aus heiterem Himmel“ auf, denn zunächst ist eine „Sensibilisierung“ auf den allergieauslösenden Stoff notwendig. Den Zeitpunkt vom ersten Kontakt mit dem Allergen bis zum Auftreten der ersten Symptome bezeichnet man auch als Sensibilisierungsphase. Erst nach einer Sensibilisierung löst der Kontakt mit dem Allergen Beschwerden aus. Oft ist die Sensibilisierungsphase sehr lang, das heißt, erst nach häufigem und lang anhaltendem Kontakt mit dem Allergen wird eine Allergie ausgelöst. Das erklärt auch, warum man plötzlich auf etwas allergisch reagiert, was man jahrelang vertragen hat.

Anaphylaktischer Schock

Der anaphylaktische Schock ist eine lebensbedrohliche Maximalform der Soforttyp-Allergie. Am häufigsten wird er durch Insektengifte (Biene, Wespe), Medikamente (z. B. Penizillin) und Nahrungsmittel (z. B. Meeresfrüchte und Erdnüsse) ausgelöst. Innerhalb von wenigen Minuten nach Kontakt mit dem Allergen kommt es zu Atemnot, Juckreiz, Blutdruckabfall bis hin zum Atem- und Kreislaufstillstand. Häufige Warnzeichen sind Brennen und Jucken im Mund- und Rachenraum und an den Hand- und Fußsohlen. Bei einem anaphylaktischen Schock ist eine sofortige notfallmäßige ärztliche Hilfe notwendig.

Auslöser von Allergien: Typ-I-Reaktion und Typ-IV-Reaktion

Allergie ist nicht gleich Allergie. Eine Unterteilung nach Reaktionstypen ist medizinisch sinnvoll, da die Reaktionsmechanismen und auch die Behandlungsmöglichkeiten unterschiedlich sind.
Derzeit unterscheidet man vier Reaktionstypen, von denen vor allem Typ I und Typ IV im alltäglichen Leben von Bedeutung sind. Die meisten Allergien werden durch Typ-I- und Typ-IV-Reaktionen ausgelöst.

Typ-I-Reaktion

Die Typ-I-Reaktion wird auch als „Reaktion vom Sofort-Typ“ bezeichnet. Bestimmte Eiweißbausteine – so genannte Antikörper vom Typ Immunglobulin E – bewirken eine Freisetzung des Botenstoffs Histamin und anderer Substanzen, die meist wenige Minuten nach dem Allergenkontakt zu Beschwerden führen. Zu den Allergien, die durch eine Typ-I-Reaktion entstehen, gehören:

  • Heuschnupfen
  • allergisches Asthma
  • allergische Bindehautentzündung
  • Insektengiftallergie
  • Nahrungsmittelallergie
  • anaphylaktischer Schock

Typische Auslöser einer Typ-I-Reaktion sind:

  • Pollen
  • Nahrungsmittel
  • Medikamente
  • Hausstaubmilben
  • Schimmelpilzsporen
  • Tierhaare
  • Insektengift
  • Latex

Typ-IV-Reaktion

Bei der Typ-IV-Reaktion spricht man auch von einer „Reaktion vom verzögerten Typ“. Hier spielt die Einwanderung weißer Blutkörperchen (Lymphozyten) in die Haut eine wichtige Rolle. Etwa zwei bis drei Tage vergehen vom ersten Hautkontakt mit dem Allergen bis zum Auftreten der Hautreaktion, dem allergischen Kontaktekzem. Dieses äußert sich durch rote, stark juckende, manchmal mit Bläschen übersäte oder nässende Hautausschläge. Bei regelmäßigem Kontakt mit dem Allergieauslöser beginnt die Haut zu schuppen, sie verdickt sich und es können schmerzhafte Risse entstehen. Bisher kennt man etwa 3.000 Stoffe, die eine Kontaktallergie auslösen können. Typische Auslöser einer Typ-IV-Reaktion sind:

  • Metalle (Nickel, Zahnmetall)
  • Farben in Kleidung, Lederwaren, Haarfarben
  • Duftstoffe
  • Inhaltsstoffe von Pflegeprodukten
  • Arbeitsstoffe
  • Gummimaterialien

Häufigkeit von Allergien

In fast allen Industriestaaten wurde in den letzten Jahrzehnten ein deutlicher Anstieg der Allergiehäufigkeit bemerkt. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts klagt derzeit etwa jeder dritte Deutsche über Allergien:

  • etwa 15% der Bundesbürger leiden unter Heuschnupfen
  • 5,6% sind an Asthma erkrankt
  • bei 3,4% besteht eine Neurodermitis
  • 10% haben eine Hausstaubmilbenallergie
  • 5,6% leiden unter Nahrungsmittelallergien (Lebensmittel, Konservierungs- und Zusatzstoffe, versteckte, nicht deklarierte Bestandteile)
  • 3% haben eine Tierhaarallergie
  • 2% leiden unter Insektengiftallergien
  • 9% leiden an einer Kontaktallergie

Vor der Wende wurden in den neuen Bundesländern deutlich weniger Allergien beobachtet, mittlerweile hat sich aber der Osten dem Westniveau angepasst. Dabei nimmt Deutschland im internationalen Vergleich einen der vordersten Plätze ein.

Ursachen von Allergien

Nicht jeder, der mit einem bestimmten Berufsstoff (z. B. Öle oder Metalle bei Mechanikern, Duftstoffe bei Friseuren) in Berührung kommt, Pollen einatmet oder von einer Biene gestochen wird, entwickelt eine Allergie. Dazu müssen oft mehrere Faktoren zusammen kommen. Bei vielen Menschen wird eine Allergie- oder Atopieneigung beobachtet. Das Wort „Atopie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt „das Ungewöhnliche“. Gemeint ist damit, dass Atopiker eine ungewöhnliche Bereitschaft zeigen, auf Umweltfaktoren allergisch zu reagieren.

In der Praxis heißt das, dass Menschen mit Heuschnupfen auch häufiger eine Neurodermitis entwickeln und umgekehrt. In vielen Fällen kann eine solche Allergieneigung auch schon im Kindesalter in Form von Milchschorf oder Ekzemneigung beobachtet werden. Aber auch das allergische Kontaktekzem wird häufiger bei Menschen mit Atopieneigung beobachtet, wahrscheinlich, weil bei ihnen die schützende Hautbarriere gestört ist.

Ursachen einer Typ-I-Allergie

Erbanlagen

Je mehr Familienmitglieder unter Allergien leiden, desto größer ist das Risiko für die Nachkommen, auch an Heuschnupfen, allergischem Asthma oder Neurodermitis zu erkranken:

  • Ist kein Familienmitglied betroffen, beträgt das individuelle Erkrankungsrisiko etwa 10%.
  • Ist eines der Geschwister Allergiker, steigt das Risiko auf 25-35% an.
  • Bei einem betroffenen Elternteil liegt es bei 20 bis 40%.
  • Sind beide Eltern allergisch, sind die Kinder in 40 bis 60% betroffen.
  • Leiden beide Eltern zusätzlich unter den gleichen allergischen Symptomen (zum Beispiel Heuschnupfen, Asthma oder allergischen Kontaktekzemen), ist das Risiko besonders hoch. Es beträgt für die Kinder 50-70%.

Umweltfaktoren

Offensichtlich spielen auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle bei der Ausbildung einer Allergie. Warum verschiedene Umgebungen scheinbar Allergien begünstigen können, ist nicht völlig geklärt. Fest steht aber, dass eine allzu saubere Umgebung und ein überbehütetes Aufwachsen die Allergieausbildung bei Kindern fördert. Lungenfachärzte der Salzburger Kinderklinik stellten fest, dass nur 3% der Kinder, die auf einem Bauernhof lebten, unter Heuschnupfen litten. Bei Stadtkindern trat er hingegen dreimal so häufig auf. Unter Asthma litten sie sogar viermal öfter.

Ein „gelangweiltes Immunsystem“ sucht sich neue Arbeit

Auch eine US-Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine zu saubere Umgebung der Gesundheit von Babys und Kleinkindern nicht zuträglich ist. Im Hausstaub scheinen nämlich Bakterien zu leben, die das Immunsystem trainieren und so Allergien und Asthma vorbeugen. Unsere Abwehrkräfte, die mit „Schmutzbakterien“ leicht fertig werden, sind in einer modernen, übersauberen Welt unterfordert. Deshalb sucht sich das „gelangweilte“ Immunsystem ein neues Betätigungsfeld und geht dann gegen Birkenpollen, Hausstaubmilben oder Pilzsporen vor. Das würde auch erklären, warum Sprösslinge aus Großfamilien oder Kinder, die sehr früh in den Kinderhort kommen, scheinbar „allergieresistent“ sind. Sie stecken sich viel früher und bedeutend häufiger bei Geschwistern und Spielkameraden mit Viren und Bakterien an.

Ursachen einer Typ-IV-Allergie

Bei der Auslösung eines Kontaktekzems spielen oft mehrere Faktoren eine Rolle.

Allergene Substanzen

In Frage kommen derzeit etwa 3.000 verschiedene Stoffe, die eine Kontaktallergie verursachen können. Manche davon sind sehr „allergen“, d. h. sie lösen besonders rasch eine allergische Reaktion aus, bei anderen Substanzen treten die Symptome oft erst nach jahrelangem Kontakt auf. Praktisch jeder Mensch kommt täglich mit einer Vielzahl solcher Kontaktallergene in Berührung. Dies können Metalle, Konservierungsstoffe, Duftstoffe, Arzneimittel, Gummimaterialien, Farbstoffe, Gerbstoffe in Leder und vieles andere sein. Die häufigsten Auslöser von allergischen Kontaktekzemen bei Männern sind inzwischen Duftstoffe, die nicht nur im Parfüm, sondern auch in Kosmetika, Rasierwässern oder Haarsprays vorkommen. Bei Frauen ist noch immer die Nickelallergie führend.

Hautbelastende Tätigkeiten

Das Risiko, eine Kontaktallergie zu entwickeln, wird außerdem durch hautbelastende Tätigkeiten wie z.B. Händewaschen oder Putzarbeiten erhöht. Besonders gefährdete Berufsgruppen sind Friseure, Bauarbeiter (vor allem Maurer), Reinigungspersonal, Metallarbeiter und Personen, die im Gesundheitswesen oder in der Landwirtschaft tätig sind.

Geschwächte Hautbarriere

Die Haut hat eine Barrierefunktion, d.h. sie verhindert normalerweise, dass Stoffe von außen eindringen. Diese Barrierefunktion wir allerdings durch bereits bestehende Hautkrankheiten, z.B. Ekzeme beeinträchtigt, so dass sie auch für allergieauslösende Stoffe durchlässiger wird und so leichter eine Allergie entstehen kann.

Symptome von Allergien

Die Beschwerden bei allergischen Reaktionen reichen von Heuschnupfen und einer Bindehautentzündung über Ekzem bis hin zu Asthma oder einem anaphylaktischen Schock. Allergologen unterscheiden verschiedene Allergie-Formen: Typ I, II, III und IV-Reaktionen. Dieser Einteilung liegen unterschiedliche Vorgänge des Immunsystems zugrunde. Für den Alltag kommen vor allem der Typ-I- und der Typ-IV-Reaktion Bedeutung zu.

Typ-I-Reaktionen (Soforttyp-Reaktionen) werden durch IgE-Antikörper vermittelt und können sich innerhalb weniger Minuten oder Stunden nach Allergenkontakt bemerkbar machen. Folgende Beschwerden können auftreten:

  • Heuschnupfen
  • Bindehautentzündung
  • allergisches Asthma
  • Nesselsucht
  • Nasennebenhöhlenentzündung
  • Nasenpolypen
  • Halsschmerzen
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Fieber
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Anaphylaktischer Schock

Typ-IV-Reaktionen (Spättyp-Reaktionen) werden durch T-Lymphozyten übermittelt und erfolgen ca. 24-48 Stunden nach Allergenkontakt. Typisches Symptom bei diesem Allergie-Typ ist das allergische Kontaktekzem.

Typische Beschwerden bei einer Typ-I-Allergie

Heuschnupfen (Rhinitis allergica)

Das erste Symptom, das sich schon ein bis zwei Minuten nach dem Einatmen der Pollen entwickelt, ist Niesreiz. Kurz darauf beginnt die Nase zu laufen. Typisch ist ein wässriger Schnupfen. Die Nasenschleimhaut juckt und schwillt an, schon bald ist die Nase „verstopft“, die Nasenatmung behindert. Häufig wird dadurch das Geschmacksempfinden beeinträchtigt, denn das, was wir als Geschmack einer Speise empfinden, wird zum größten Teil durch die Riechzellen in der Nase vermittelt.

Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Bei einer Bindehautentzündung ist die Augenbindehaut auf der Innenseite der Augenlider und dem angrenzenden Augapfel entzündet. Die allergische Bindehautentzündung tritt oft zusammen mit Heuschnupfen auf, kann gelegentlich aber auch alleine vorkommen und das einzige Merkmal einer Pollenallergie darstellen. Typisch ist ein Fremdkörpergefühl im Auge, jedoch lassen sich Fremdkörper wie Staub oder Wimpern nicht entdecken. Die Augen tränen, die Bindehäute sind gerötet, jucken und brennen. Manchmal sind die Augen morgens stark verkrustet. Vom vielen Reiben werden schließlich auch die Augenlider rot und schwellen an. In der Allergiesaison sind die Betroffenen oft besonders lichtscheu, Kontaktlinsen werden während der Pollenflugzeit meist schlechter vertragen.

Allergisches Asthma

Die asthmatischen Beschwerden werden oft durch eingeatmete Pollen ausgelöst. Zigarettenrauch, Stress, körperliche und psychische Anspannung und Infekte können jedoch noch zu einer Verstärkung der Beschwerden führen. Typisch für das allergische Asthma ist eine plötzlich einsetzende Atemnot mit Hustenattacken und pfeifenden Atemgeräuschen. Oft wird ein zäher Schleim ausgehustet. Da das Atmen schwer fällt, werden die so genannten „Atemhilfsmuskeln“ vermehrt eingesetzt. Die Betroffenen stützen sich häufig mit den Armen auf dem Tisch ab, wodurch die Atmung etwas erleichtert wird.

Nesselsucht

Bei der so genannten Nesselsucht (Urtikaria) handelt es sich um einen entzündlichen Hautausschlag mit Quaddeln, der meist mit starkem Juckreiz einhergeht. Es kann sich dabei um eine allergische oder nichtallergische Reaktion der Haut handeln. Im Zusammenhang mit Nahrungsmittel- oder Medikamentenallergien treten häufig Urtikarien auf. Außerdem ist eine Urtikaria oft Vorbote eines anaphylaktischen Schocks.

Nasenpolypen, Nebenhöhlenentzündungen (Sinusitis)

Nasenpolypen und Nasennebenhöhlenentzündung können bei einem länger bestehenden Heuschnupfen hinzu kommen. Wahrscheinlich besteht auch ein Zusammenhang zwischen Heuschnupfen und häufigen Ohrenentzündungen. Durch die ständig verstopfte Nase neigen Allergiker vermehrt zur Atmung durch den Mund, was zu einem Austrocknen der Schleimhäute führt.

Halsschmerzen

Den wenigsten ist bekannt, dass eine Allergie auch den Rachen in Mitleidenschaft ziehen kann. Bei einigen Personen kommt es durch das Einatmen der Pflanzenpollen zu einem rauhen, kratzigen Gefühl im Rachen, das mit Halsschmerzen verwechselt werden kann. Im Gegensatz zu einer Halsentzündung im Rahmen von Infekten kommt bei der „Pollenpharyngitis“ aber oft Juckreiz hinzu. Ähnliche Beschwerden treten beim so genannten „oralen Allergiesyndrom“ auf: Beißt zum Beispiel ein Birkenpollenallergiker in einen frischen Apfel, kommt es häufig zu Juckreiz und Kribbeln im Rachen. Gelegentlich schwillt auch die Schleimhaut an, in manchen Fällen kann Atemnot hinzukommen. Ausgelöst werden die Beschwerden durch Bestandteilen in Äpfeln, die in ähnlicher Weise auch in Birkenpollen enthalten sind. Man spricht hier von Kreuzallergien.

Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Fieber

Die allergischen Reaktionen im Körper und die damit verbundene Entzündungsreaktion ruft bei etwa 10 bis 20% der Betroffenen Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Abgeschlagenheit hervor. Sehr selten, wahrscheinlich in weniger als 5% der Fälle, kann die Entzündungsreaktion auch zu Fieber führen.

Magen-Darm-Beschwerden

Bei Nahrungsmittelallergien werden häufig neben Juckreiz und Brennen im Mund- und Rachenbereich Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall beobachtet.

Beschwerden bei einer Typ-IV-Allergie

Kontaktekzem

Nicht immer fällt auf den ersten Blick die Unterscheidung Kontaktekzem und Neurodermitis (auch „endogenes Ekzem“ genannt) leicht. Es gibt außerdem allergische und nicht-allergische Kontaktekzeme. Eine Neurodermitis besteht allerdings meist schon seit der Kindheit, ein Kontaktekzem dagegen entwickelt sich erst in der Jugend oder im Erwachsenenalter. Das allergische Kontaktekzem ist nicht auf bestimmte Körperstellen wie die Gelenkbeugen beschränkt, sondern kann überall dort auftreten, wo die Haut mit dem Allergen in Berührung gekommen ist. Die Körperstellen, die mit dem Allergen in Kontakt kommen, röten sich nach einigen Stunden. Nach und nach entwickeln sich Bläschen, die Stellen beginnen zu schuppen und zu jucken. Typischerweise sind die Kontaktekzeme scharf begrenzt und betreffen nur die Stellen, mit denen die auslösende Substanz Kontakt hatte. Bei einer Nickelallergie befindet sich das Ekzem z. B. unter Uhren (nickelhaltiges Metall) und an der Stelle, an der der Jeansknopf auf der Haut auflag. Der Juckreiz ist meist auf die Ekzemstelle beschränkt und klingt, wenn der Auslöser gemieden wird, nach wenigen Tagen ab.

Streureaktion

Wenn die Kontaktallergene lange und intensiv auf die Haut einwirken, kann es zu so genannten „Streureaktionen“ kommen. Dann sind die Hautveränderungen nicht mehr allein auf die Kontaktstellen beschränkt, sondern weiten sich aus und können manchmal die gesamte Haut betreffen.

Kreuzallergie – ein Allergen, mehrere Auslöser

Woran liegt es, dass viele Birkenpollenallergiker auch Äpfel und Haselnüsse nicht vertragen? Oder dass Menschen, die auf Beifuss überempfindlich reagieren, meist auch mit anderen Kräutern und Gewürzen Probleme haben? In diesen Fällen liegen nicht zwangsläufig mehrere Allergien vor, meist handelt es sich um eine Überempfindlichkeit auf bestimmte Strukturen, die sowohl in den Pollen als auch in verschiedenen Lebensmitteln vorkommen. Bei den folgenden Allergenen, werden eine Reihe von Nahrungsmitteln häufig nicht vertragen:

  • Frühblüherpollen (Birke, Hasel, Erle): Äpfel, Haselnüsse, Mandeln, Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, Birnen. (Vor allem roh werden diese Nüsse und Früchte nicht vertragen, gekocht können sie meist verzehrt werden.)
  • Beifusspollen: Karotte, Chili, Paprika, Sellerie, grüner und schwarzer Pfeffer, Kümmel, Curry, Anis, Kamille, Ingwer, Zimt, Muskat
  • Kamillepollen, Chrysanthemen, Löwenzahnpollen: Estragon, Sonnenblumenkerne
  • Gräser- und Getreidepollen: Tomate, Pfefferminz, Sojabohnen, Erdnüsse, Mehlsorten
  • Latex: Avocado, Banane, Kiwi, Kastanien
  • Alle Pollen: Honig. Hier liegt allerdings keine echte Kreuzallergie vor. Die Pollenkörner im Honig sind für die allergischen Beschwerden verantwortlich.

Diagnose von Allergien

Bei der Allergie-Diagnostik ist Spürsinn gefragt. Um zu wissen, wovor Sie sich schützen sollten, müssen Sie zunächst einmal wissen, wogegen Sie allergisch sind. Doch das ist nicht immer so einfach. Auch wenn die Allergiebeschwerden meist sehr typisch sind, entwickelt sich die Fahndung nach dem Auslöser oft zur Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Oft müssen Arzt und Patient einen kriminologischen Spürsinn entwickeln, um den Auslöser zu finden. Denn nur, wenn der Arzt die richtigen Allergie-Testungen durchführt, kann der Auslöser der Allergie gefunden werden. Der Patient kann dem Arzt bei der Eingrenzung der Allergieauslöser helfen, indem er schon vorab beobachtet, wann die Beschwerden am stärksten sind.

Die Anamnese liefert erste Hinweise auf die Ursache der Allergie

Am Anfang jeder Diagnose steht eine umfassende allergologische Anamnese in der Sprechstunde. Dabei sollte der Betroffene möglichst genau seine Beschwerden beschreiben. Auch Hinweise, wo und wann die Symptome am stärksten sind, dienen zur Aufklärung der Ursache der Allergie. Neben diesen Angaben fragt der Arzt auch, ob in der Kindheit bereits Anzeichen für eine Allergieneigung bestanden haben, z. B. in Form von Milchschorf oder Neurodermitis. Des Weiteren wird abgeklärt, ob es in der engeren Familie Personen mit Allergien gibt. Wichtig ist ebenfalls das unmittelbare private und berufliche Milieu, das heißt Einzelheiten über Besonderheiten in der Wohnung (z. B. Schimmelpilzbefall) oder am Arbeitsplatz werden abgefragt.

Schulnoten für Allergiesymptome: das Allergietagebuch

Von fast 20.000 Stoffen unserer Umwelt ist bekannt, dass sie eine Allergie verursachen können. Wegen dieser Vielzahl an möglichen Ursachen einer Allergie gestaltet es sich häufig sehr schwierig, dem Auslöser auf die Spur zu kommen. Ein Beschwerdekalender vermag bei der Eingrenzung des Auslösers Licht ins Dunkel zu bringen. Geeignet ist das Allergietagebuch sowohl bei Verdacht auf eine Typ-I- als auch Typ-IV-Reaktion. Täglich werden darin die Allergiesymptome mit Schulnoten bewertet (1 für Beschwerdefreiheit, 6 für sehr starke Beschwerden) und gleichzeitig die verzehrten Nahrungsmittel, die verwendeten Arbeitsstoffe oder der aktuelle Pollenflug notiert.

Allergie-Tests spüren die Auslöser der Allergie auf

In vielen Fällen ist nicht klar, welche Auslöser für bestimmte allergische Beschwerden verantwortlich sind. Ein Allergietest kann dann einen Verdacht bestätigen oder manchmal auch einen anderen Auslöser aufdecken. Dabei sind bei Typ-I- und Typ-IV-Allergien verschiedene Tests sinnvoll. Wichtig: Eine Woche vor Haut-Testung müssen einige Allergiemedikamente (Antihistaminika, Kortisonpräparate) abgesetzt werden. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt die notwendigen Vorbereitungen für die Allergietestungen.

Allergietests bei Typ-I-Allergie

Hauttestungen

  • Pricktest: Am häufigsten wird der Pricktest durchgeführt. Damit lassen sich die Ursachen von Heuschnupfen, Asthma, Bindehautentzündung, Nahrungsmittelallergien u.a. abklären. Hierzu werden verschiedene allergenhaltige Lösungen meist auf die Innenseite des Unterarms oder auf den Rücken getropft. Mit einer kleinen Spezialnadel (Lanzette) wird die Hautoberfläche minimal eingeritzt, um den Kontakt zwischen Allergieauslöser und dem Organismus zu verbessern. Nach 20 Minuten wird der Test abgelesen. Haben sich Quaddeln gebildet, spricht das für eine Allergie. Je größer die Quaddel ist, desto deutlicher ist der Hinweis auf eine Allergie.
  • Scratchtest (Kratz-Test): Beim Scratchtest wird die Haut mit einer Lanzette oberflächlich etwa fünf Millimeter lang eingeritzt. Dann wird die allergenhaltige Lösung darauf getropft und nach fünf Minuten wieder abgewischt. Durch dieses Vorgehen dringen mehr Allergene in die Haut ein als beim Pricktest. Dieser Test wird vor allem zur Abklärung von Nahrungsmittelallergien eingesetzt.
  • Intrakutantest: Hierbei wird die verdünnte Allergenlösung mit einer feinen Nadel in die Haut gespritzt. Da noch mehr Allergene als beim Prick- oder Kratz-Test in die Haut gebracht werden, sollte der Test nur verwendet werden, wenn die beiden anderen Tests kein Ergebnis gebracht haben. Eingesetzt wird der Intrakutantest vor allem zur Abklärung von Insektengiftallergien, bei Medikamentenallergien (z. B. Penicillin) oder bei einem unklaren Befund im Pricktest.
  • Reibetest: Bei einer sehr starken Allergie kann bereits das bloße Reiben der Haut mit dem Allergieauslöser (Nahrungsmittel, Tierhaare) eine Quaddelbildung hervorrufen.

Laboruntersuchungen

  • Rast-Test: Mit diesem Test können Antikörper gegen bestimmte Allergene im Blut nachgewiesen werden. Der Test kann auch durchgeführt werden, wenn aufgrund starker Allergiebeschwerden die Allergiemedikamente nicht abgesetzt werden können oder wenn ausgedehnte Ekzeme eine Hauttestung unmöglich machen. Beim Rast-Test handelt es sich um eine relativ teure Untersuchung, die nur gezielt eingesetzt werden sollte.
  • Schnelltest: Neuerdings gibt es auch einen Schnelltest für ein Allergie-Screening. Dazu wird dem Patienten etwas Blut abgenommen, das dann auf eine spezielle Membran getropft wird. Auf dieser Membran befinden sich verschiedene Allergene wie etwa Hausstaubmilben, Birkenpollen oder Hühnerei. Hat der Patient die entsprechenden Abwehrzellen, die mit diesen Allergenen reagieren, im Blut, findet auf der Membran eine Reaktion statt und ein Kreuz wird sichtbar. Der Test dauert 30 Minuten und kann in jeder Hausarztpraxis durchgeführt werden. Er ersetzt dabei nicht die herkömmlichen Haut- oder Labortests. Als ein Screening kann er jedoch erste Hinweise auf eine Allergie liefern.

Allergietests bei Typ-IV-Allergie

Epikutan-Test

Der Epikutan- oder Pflastertest wird bei Verdacht auf eine Kontaktallergie durchgeführt. Dabei werden die in Frage kommenden Allergieauslöser auf spezielle Pflaster aufgebracht und auf den Rücken des Patienten geklebt. Nach ein bzw. zwei Tagen werden die Pflaster wieder entfernt. Die Testreaktion wird nach 48 und 72 Stunden begutachtet. Eine allergische Reaktion äußert sich hier als Rötung, Verdickung, teilweise auch Bläschenbildung. Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, sollte auf Duschen, Baden und schweißtreibenden Sport verzichtet werden, so lange das Testpflaster auf dem Rücken klebt.

Wie eine Allergie sonst noch diagnostiziert werden kann

Bei den meisten Patienten kann durch die verschiedenen Allergie-Tests die Ursache der Allergie herausgefunden werden. In unklaren Fällen gibt es weitere Untersuchungsmöglichkeiten, die zum Teil nur im Krankenhaus durchgeführt werden können. Weitere Untersuchungsmethoden sind:

  • Antigenkarenz: Bei unklaren Fällen von Nahrungsmittelallergien kann eine Diät weiterhelfen, bei der Nahrungsmittel weggelassen werden, die im Verdacht stehen die Allergie zu verursachen. Bei dieser Antigenkarenz wird der Einfluss auf die Beschwerden genau beobachtet.
  • Zum sicheren Nachweis eines Heuschnupfens oder einer Nahrungsmittelallergie oder auch bei unklaren Beschwerden kann eine so genannte nasale bzw. orale Provokation durchgeführt werden. Dabei werden die verdächtigen Allergene über die Nasenschleimhaut bzw. den Mund zugeführt und die Beschwerden beobachtet.
  • Mit Hilfe der zytologischen Diagnostik können Hinweise auf Allergien auch anhand einer Zellbegutachtung (z.B. nach einem Nasenabstrich) gewonnen werden.
  • Bei der Abklärung einer Nahrungsmittelallergie können weiterhin die Bestimmung des Methylhistamins im Urin oder eine Magen-Darm-Spiegelung hilfreich sein.

Eine Allergie sollte frühzeitig behandelt werden!

Eine rechtzeitige Abklärung und Behandlung spielt besonders bei Heuschnupfen eine wichtige Rolle. Nach jahrelangen Heuschnupfenbeschwerden kann nämlich ein so genannter Etagenwechsel stattfinden. Dieser besagt, dass nicht nur die Schleimhäute von Nase, Auge und Mund, sondern auch die Bronchialschleimhaut der Lunge allergisch reagiert. Unbehandelt kann sich innerhalb von acht Jahren bei mehr als 40% der Patienten aus einem allergischen Schnupfen ein Asthma entwickeln. Eine ausführliche ärztliche Beratung bei Heuschnupfenbeschwerden ist deswegen sehr wichtig.

Wichtigste Maßnahme bei Allergien: Kontakt mit dem Allergen vermeiden

Grundlage jeder Behandlung ist jedoch die weitgehende Vermeidung der allergieauslösenden Substanz. Dies lässt sich beispielsweise durch waschbare, speziell umhüllte Bettwäsche bei Milbenallergie oder dem Meiden bestimmter Nahrungsmittel bei erwiesener Nahrungsmittelallergie erreichen. Da jedoch in vielen Fällen die Kontaktvermeidung nicht möglich ist (z. B. bei Baum- oder Gräserpollenallergie), müssen Medikamente zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden.

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